Zahnschmelz-Selbstreparatur – geht das wirklich?

Kennen Sie den härtesten Stoff im menschlichen Körper? Es ist ganz klar der Zahnschmelz unserer (hoffentlich!) zahlreich vorhandenen Zähne. Dieser Schmelz liegt im Bereich der Zahnkrone dem darunter liegenden Zahnbein (oder Dentin) des Zahnes auf. Zahnschmelz enthält unter anderem Calcium, Magnesium, Phosphor, Natrium und Carbonat sowie Proteine und Fett. Zahnschmelz besteht zu 98 Prozent aus Hydroxylapatit. Dieser organische Stoff besitzt keine Nerven – Zahnschmerzen gibt es also immer erst dann, wenn der Karies sich durch den Zahnschmelz und das Zahnbein bis zur von Nerven durchdrungenen Pulpa (aus dem Lateinischen für Fleisch – in diesem Fall das Zahnmark oder laienhaft auch Zahnnerv genannt) „durchgefuttert“ hat, oder der Bohrer in diese Regionen vordringt. Leider ist dieses Hydroxylapatit nicht resistent gegen Säuren. Die im Mundraum entstehenden Säuren (durch den Genuss von Obst, Limo, Süßem und Saurem, die Aufspaltung von Kohlenhydraten, etc.) sind in der Lage, den Schutzmantel des Zahnschmelzes anzulösen und so minimale, mit dem bloßen Auge in der Regel nicht erkennbare Risse oder Löcher entstehen zu lassen. In diese winzigen Stellen – fachmännisch auch Erosionen genannt - können allerdings fataler Weise die Karies-Bakterien eindringen und ihr kariöses Zerstörungswerk beginnen. Dadurch wird der gesamte Zahn empfindlicher, weicher und auch brüchiger. Ein Mittel zur Reparatur dieser Schmelz-Erosionen gab es bisher nicht auf dem Markt. Vor einiger Zeit ist es allerdings einer Gruppe von Homburger Wissenschaftlern um Prof. Dr. Matthias Hannig gelungen, dieses Hydroxylapatit in Kombination mit Zink-Carbonat zur Zahnreparatur im Labor zu entwickeln. Die Nano-Partikel des neuen Wunderstoffes sollen in der Lage sein, bereits kleinste Risse des Schmelzes selbständig zu verschließen, da sie wohl mit dem natürlichen Zahnschmelz eine Verbindung eingehen können. Außerdem soll dieser neuartige Stoff quasi als Anti-Haft-Beschichtung fungieren und die Bildung des äußerst unbeliebten Zahnbelags verhindern. Entsprechende Anwender-Versuche außerhalb des Labors haben dies nach einer Pressemittelilung der Dr.-Wolff-Forschung bestätigt. Aufgrund dieser positiven Ergebnisse entwickelte die Dr.-Wolff-Forschungsabteilung die mit entsprechenden Substanzen versehene Zahnpasta sowie eine passende Mundspülung, die unter der Bezeichnung BioRepair in Apotheken und Drogerien erhältlich ist. Leider ist diese Wunderwaffe gegen Karies zum Einen nicht wirklich günstig (100ml der Zahnpasta kosten je nach Anbieter fünf bis sechs Euro) zum Anderen ist die Neuheit noch nicht im klinischen Dauertest erprobt. Allerdings scheinen mittlerweile auch zahlreiche Zahnarzt-Praxen auf dieses Produkt aufmerksam geworden zu sein und testen es in Eigenregie. Wir werden die neue Wunderwaffe gegen Zahnschmelz-Erosionen weiter im Blick haben und zu gegebener Zeit wieder berichten.

(Meldung vom 28.09.2009)

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