Schmerzensgeld auch bei Zahnschmerzen?

Gerichtsprozesse um Schmerzensgeld für Behandlungen mit mangelndem Erfolg kennen wir eigentlich fast nur aus dem fernen Amerika. Dort ist es nahezu an der Tagesordnung, dass ein mit dem Behandlungserfolg nicht zufriedener Patient seinen Behandler – sei es Chirurg, Physiotherapeut oder auch Zahnarzt – mal eben auf Schmerzensgeld verklagt. Im deutschen Recht sieht das nach wie vor noch etwas anders aus. Dennoch: Nach dem neuesten Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Frankfurt muss ein Zahnarzt seiner Patientin 2.500 Euro Schmerzensgeld (plus Zinsen) zahlen, da es ihm nicht gelungen war, ihr die angefertigte Prothese passgerecht einzusetzen (OLG Frankfurt, Aktenzeichen 8 U 31/07). Wie die Ärztezeitung vom 21. September berichtet, hatte die Patientin nach dem Anpassen einer neuen Zahnprothese nicht nur erhebliche Schmerzen, sondern auch immense Probleme bei der Nahrungsaufnahme. Nachdem sie ihren Zahnarzt um entsprechende Nachbesserung gebeten hatte, zwei darauf folgende Nachbehandlungen allerdings keine ausreichende Besserung brachten, verklagte die Frau ihren Behandler auf Schadenersatz. Die Schmerz auslösende Prothese ließ sie durch einen zweiten Zahnarzt korrigieren. So weit so gut. Die Frau hatte Schmerzen, eine Beeinträchtigung ihres gesamten Befindens und zudem auch noch einen immensen Aufwand (Rücksprache mit der Krankenkasse, Suche eines geeigneten neuen Zahnarztes, Fahrtkosten, Zeitaufwand, etc.), bis die Prothese passgerecht saß. Ob allerdings eine Forderung von 7.500 Euro (plus Zinsen) Schmerzensgeld zuzüglich materiellem Schadensersatz in Höhe von knapp 2.200 Euro angemessen sind, konnte auch die erste Instanz – das Landgericht Gießen (Aktenzeichen 5 O 180/06) - nicht wirklich erkennen. Es wies die Klage ab. Nachdem die Patientin in Berufung ging, entschied das OLG Frankfurt dann doch pro Patientin, minderte allerdings die Höhe des Schadenersatzes auf die oben genannten 2.500 Euro. Die Gründe für diese Entscheidung sind sehr vielfältig und können unter dem ebenfalls oben angegebenen Aktenzeichen nachgelesen werden. Unsere Meinung zum Thema „Klagen aller Orten“: Verständlich, dass man „sauer“ ist, wenn man wochenlang Schmerzen hat und diese durch den „Verursacher“ nicht baldigst behoben werden können. Traurig, dass es auch in Deutschland die Menschen mittlerweile in nahezu allen Bereichen des Lebens immer schneller vor die Gerichte zieht. Vielleicht sollten wir alle vor diesem endgültigen und noch dazu teuren Gang erst einmal versuchen, wieder etwas mehr und gelassener miteinander zu kommunizieren? Aber: Entscheiden Sie selbst.

(Meldung vom 23.09.2009)

Weitere Meldungen der Zahnmedizin:
25. September: Der Tag der Zahngesundheit rückt näher
Putzfimmel – das kommt männlichen Wesen selten in die Tüte
Schiefzahn – Kosten der KfO oder was zahlt die Kasse
Schiefe Zähne - Die häufigsten Patientenfehler
Aloe Vera – der Wunderstoff auch gegen Karies?
Viele Senioren achten zu wenig auf Zahngesundheit
Die häufigsten Zahnfehlstellungen
Wann zum Kieferorthopäden (KFO) und was ist zu klären
Adé Käpt´n Schiefzahn II – Spangentypen
Adé Käpt´n Schiefzahn I