Adé Käpt´n Schiefzahn I

Nun mal ehrlich: Kennen Sie ein Kind zwischen 10 und 18 Jahren, das keine Zahnspange trägt oder getragen hat? Bestimmt nicht! Heutzutage ist es nämlich schon die absolute Ausnahme, benötigen Kinder keine Zahn- und Kieferkorrektur. Über die Gründe hierfür ist sich die geneigte Fachwelt allerdings nicht wirklich einig: Die einen sind der Auffassung, das Zahnfehlstellungen in der Regel erblich bedingt sind. Andere geben der Evolution die Schuld: Die Köpfe der Menschen werden immer schmaler und länger – daher haben die Zähne nicht mehr ausreichend Raum zur Entfaltung. Eine dritte Fraktion geht davon aus, dass mindestens zwei Drittel der Zahnfehlstellungen und Kieferanomalien eindeutig auf schädliche Einflüsse und Gewohnheiten wie Daumenlutschen, Kauen auf Bettdecken oder anderen Gegenständen, unphysiologischen Beruhigungssaugern und Trinkfläschchen und allem voran deren viel zu langer Gebrauch die Ursache allen Übels sind. Im Endeffekt sind die Gründe für die Fehlstellungen ja aber auch ziemlich egal. In jedem Fall gehören sie frühzeitig und vor allem durch fachgerechte Hand behandelt. Frühzeitig bedeutet, dass schon das Milchgebiss durch einen fachkundigen Blick des Zahnarztes begutachtet werden sollte. Klar – auch der Kinderarzt schaut unseren Kleinen in den Mund. Sein Metier sind aber nun mal nachweislich nicht die Zähne. Nehmen Sie Ihren Sprössling also lieber einmal mit zur Routinekontrolle bei Ihrem Zahnarzt. Der fühlt auch den Kleinen bestimmt gern mal auf den Zahn. Denn: Zahnfehlstellungen und Kieferanomalien bedingen oftmals vielfältige weitere Störungen. Allen voran steht das erhöhte Kariesrisiko. Bei schief gewachsenen Zähnen entstehen automatisch zahlreiche Nischen und Zwischenräume, die mit der Zahnbürste nicht oder nur schwer erreichbar sind. Tja – und können die Beläge nicht anständig entfernt werden, kommt es ziemlich schnell zur Kariesbildung. Eine korrekte Lautbildung ist bei einer Zahnfehlstellung ebenfalls nur schwer möglich. Vor allem S- und Z-Laute kommen unnatürlich rüber – das Kind lispelt und muss im ´worst case´ sogar zum Logopäden, um die korrekte Aussprache in zahlreichen Sitzungen wieder zu erlernen. Auch die geregelte Verdauung kann durch unzureichendes Zerkleinern der Nahrung aufgrund nicht korrekt aufeinander passender Zähne und Kiefer empfindlich gestört werden. Bei starken Fehlstellungen kann es soweit kommen, dass ein Lippenschluss ohne Muskelkraft gar nicht mehr möglich ist. Als Folge wird nahezu ausschließlich durch den Mund geatmet und die Schleimhäute trocknen mit der Zeit immer mehr aus (vor allem natürlich nachts, wenn eh viel geringere Speichelmengen produziert werden). Das stört nicht nur den gesunden, erholsamen Schlaf, es führt früher oder später häufig zu rezidiven (aus dem Lateinischen von recidere = zurückfallen) Erkältungsinfekten. Außerdem geht durch die Trockenheit auch noch die remineralisierende Kraft des Speichels verloren: Wieder steigt das Risiko, an Karies zu erkranken immens. Zu guter Letzt übertragen sich bestimmte Anomalien des Milchgebisses auch auf das bleibende. Vor allem der frühzeitige Verlust von Milchzähnen stellt ein gravierendes Problem dar. Fehlt der Platzhalter Milchzahn, sind Fehlstellungen am bleibenden Gebiss nahezu programmiert. Der richtige Zeitpunkt für eine kieferorthopädische Behandlung fällt übrigens bei jedem Kind anders aus. Vertrauen Sie da ihrem Zahnarzt, der Ihnen bei den jährlichen Kontrollen sicherlich eine kierferorthopädische Kontrolle ans Herz legen wird, so sie seiner Meinung nach erforderlich ist. Ach ja – zur oben genannten fachgerechten Hand: Auch ganz „normale“ Zahnmediziner bieten partiell die Kfo-Behandlung (kfo = kieferorthopädisch) an. In der heutigen schnelllebigen und hochtechnisierten Welt sollten Sie allerdings zumindest eine Beratung bei einem echten Fehlstellungs-Fachmann – also dem Kieferorthopäden - nicht scheuen. Mit einer defekten Heizung wenden Sie sich ja schließlich auch nicht an einen Schornsteinfeger. Auch wenn der Ihnen vielleicht gute Tipps zu Wärme- und Abgaswerten oder Ökologie geben könnte.

(Meldung vom 31.08.2009)

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