Milchzähne – das sollten Sie wissen

Gesunde Milchzähne sind die beste Grundlage für ein ebenso gesundes bleibendes Gebiss. Daher ist es auch besonders wichtig, dass sämtliche Milchzähne während der gesamten „Gebrauchsdauer“ – also bis zu dem Zeitpunkt des Zahnwechsels – möglichst erhalten bleiben. Denn sie dienen neben dem Zerkleinern der ersten festen Nahrung vor allem auch als Platzhalter für die bleibenden Zähne. Das Besondere an der ersten Sorte Zahn ist, dass sie leider, leider wesentlich empfindlicher und geringer widerstandsfähig gegen Säure- und Zuckerattacken sind, als die nachfolgenden Exemplare. Denn ihr meist auch hellerer Zahnschmelz weist lediglich 86 bis 88 Prozent Mineralgehalt auf (bleibende Zähne etwa 92 Prozent) und sie haben zudem ein wesentlich größeres Porenvolumen (ein bis fünf Prozent) als die bleibenden Zähne (0,1 bis 0,2 Prozent). Auch in der Oberflächenstruktur unterscheiden sich die milchigen von den bleibenden Zähnen: Die Zahnschmelz-Struktur bleibender Zähne ähnelt der Struktur von Bienenwaben. Der Grundbaustoff Hydroxylapatit ist als kleine, sechseckige Kristall-Säulen aneinander gelegt. Diese Prismen oder Waben sind bei den Milchzähnen oftmals gar nicht erkennbar ode aber eher chaotisch angeordnet – das beeinträchtigt die Stabilität des Zahnschmelzes leider extrem negativ. Außerdem erschwert es einige Behandlungsarten. Ein Milchzahn besteht in der Regel aus drei Schichten: Außen findet sich im Bereich der Zahnkrone der Zahnschmelz, der das empfindliche Inneres des Zahnes vor Säureattacken von außen schützen soll. Unter diesem Schmelz befindet sich das Zahnbein – das sogenannte Dentin. Diese Hartsubstanz macht die Hauptmasse des Zahnes aus. Das Dentin umschließt nach innen einen Hohlraum – die Pulpahöhle - in dem sich Weichgewebe wie Bindegewebe, Zahnnerv und Blutgefäße befinden. Ja – Sie haben richtig gelesen: Auch die Milchzähne besitzen - entgegen weit verbreiteter Meinung – einen Zahnnerv! Gewebe und Blutgefäße sind – wie bei den bleibenden Zähnen - für die Versorgung des Zahnes zuständig. Hat nun der weichere Zahnschmelz leider doch der Zucker- und/oder Säureattacke nicht standhalten können und eine Kariesbehandlung ist erforderlich, benötigt der Zahnarzt zunächst einmal sehr viel Geduld. Meist ist es den Kiddies nämlich schon nach wenigen Minuten nicht mehr möglich, wirklich still zu halten. Nun werden aber Kavitäten (Löchlein) im Milchgebiss in der Regel mit Kunststofffüllungen versorgt, die zum Einen am extrem trockenen Zahn eingebracht werden sollten, zum Anderen auch noch mit einer Halogenlampe ausgehärtet werden müssen. Das ist für die meisten Kinder ein nahezu unmöglich langer Zeitraum. Außerdem kommen noch die oben erwähnten Unregelmäßigkeiten in der Prismenstruktur der Milchzähne hinzu. Fazit: Oft halten die schnell und unter Zeitdruck gesetzten Füllungen leider wesentlich kürzer – im Durchschnitt zwei bis drei Jahre - als bei der erwachsenen Spezies. Ein Grund mehr also, den Milchzähnen ein ganz besonderes Augenmerk zu gönnen und schon die Kleinsten spielerisch an eine regelmäßige Zahnpflege heranzuführen. Ihr Zahnarzt und sein Team geben Ihnen gerne Tipps, wie Sie die Zahnpflege selbst bei den Kleinsten von Anfang an meistern.

(Meldung vom 27.07.2009)

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