Cyberchondrie – die neue Form der Hypochondrie

"Gehören Sie auch zu den Menschen, die jedes kleine Zwicken oder auch eine schlecht verbrachte Nacht dazu bringen, sofort im ärztlichen Handbuch für den Laienhaushalt nachzuschlagen? Dann fallen Sie wohl – je nach Ausprägung – in den Bereich der Hypochondrie = „eine von Angst angereicherte Beziehung zum eigenen Körper und seiner Funktionstüchtigkeit“. Wie oben bereits erwähnt, führt der echte Hypochonder – immerhin nach statistischen Erhebungen fast jeder zwanzigste Patient in Deutschland - jede kleine Störung seiner Körperfunktionen sofort auf schwerwiegenden Erkrankungen zurück. Was im Alltag oftmals als Scherz ausgesprochen wird, ist eigentlich eine manifeste psychische Störung, die bei extremen Ausmaßen in jedem Fall in ärztliche Behandlung gehört. Das Wort Hypochonder kommt aus dem Griechischen und ist abgeleitet von „chondros“ = Knorpel und „hypo“ = unter; gemeint sind eigentlich die Rippenknorpel, unter denen der medizinisch Versierte Galle und Leber ertasten kann. Das wirklich Schlimme an den Hypochondern war und ist eigentlich, dass es bei ihnen in der Regel nicht beim „eingebildeten Kranken“ und dem Nachschlagen im Krankheitsbuch bleibt. Häufige Arztbesuche, die allerdings meist keinen greifbaren, medizinischen Befund ergeben, sind die Regel. Andererseits empfinden Hypochonder teilweise extreme Missempfindungen oder schmerzähnliche Zustände. In schweren Fällen kann es gar zum Kollaps des Betroffenen führen, ohne je einen echten medizinisch-organischen Befund erheben zu können. Nun bietet seit geraumer Zeit das allen zugängliche und sicherlich in vielen Situationen auch sehr hilfreiche Internet diesen von Krankheitsangst geplagten Menschen ganz neue – leider nicht immer fundierte - Wege, ihren „Erkrankungen“ auf den Grund zu gehen. Die neue Variante dieser übersteigerten Angst an einer schlimmen Krankheit zu leiden, bezeichnen Fachleute mittlerweile als Cyberchondrie. Die Betroffenen versuchen in medizinischen Internetportalen zu ihren Symptomen die passenden Krankheiten zu finden. Meist mangelt es allerdings am medizinischen Hintergrund – und das macht alles noch viel, viel schlimmer. So findet man zum Beispiel für „Kopfweh“ nicht nur harmlose Krankheiten wie zum Beispiel Wetterfühligkeit, sondern auch Extreme wie Hirntumor oder Aneurysma (= spindel- oder sackförmige Erweiterung oder Ausbeulung von Arterien). Ein Laie wird nicht in der Lage sein, seine eigenen Symptome den zahlreichen Erkrankungsmöglichkeiten zuzuordnen. Der Hypo- oder Cyberchonder wird garantiert die schlimmsten Erkrankungen für sich ausfindig machen. Sollten Sie selbst oder ein Bekannter den Hang zur Hypochondrie erkennen, suchen Sie möglichst schnell Hilfe bei einem Fachmann. Stundenlange Recherchen im Handbuch Krankheiten oder auch im Internet werden Ihnen mit Sicherheit nicht helfen, sondern - im Gegenteil - Ihr Leiden meist nur verlängern."

(Meldung vom 15.07.2009)

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