Augen auf bei Zahnbehandlungen im Ausland

Nach der neuesten Rechtsprechung des Bundessozialgerichtes (BSG) können Gesetzlich Versicherter künftig doch nicht mehr so ohne Weiteres den - ach so verdienten Jahresurlaub - mit der Erneuerung des Gebisses verbinden. Den gesetzlich festgelegten Festzuschuss, der bisher für Behandlungen in Deutschland oder im EU-Ausland* gezahlt wurde, muss die jeweilige Krankenkasse nach diesem Richterspruch nur dann noch zahlen, wenn sie vorab einen entsprechenden Heil- und Kostenplan bzw. einen Kostenvoranschlag der ausländischen Praxis oder Klinik genehmigt hat. Im entsprechenden Streitfall hatte ein AOK-Versicherte/r aus Baden-Württemberg sich im Jahr 2004 eine Zahnbehandlung genehmigen lassen. Allerdings ließ er/sie die Arbeit erst im Jahr 2006 und zudem durch eine tschechische Praxis ausführen. Die Praxis erstellte ihre Rechnung über knapp 2000 Euro als Kostenvoranschlag, der anschließend von bei der AOK eingereicht wurde. Nach dem Urteil des BSG ist die AOK nun nicht zur Zahlung des gesetzlichen Zuschusses verpflichtet, da auch eine zahnprothetische Behandlung im EU-Ausland nur mit einem vorher genehmigten Heil- und Kostenplan erstattet werden muss. * EU-Ausland = Staaten, in denen das Sozialversicherungsabkommen der Gesetzlichen Krankenkassen gilt und die zudem der Europäischen Union zugehörig sind. Nach dieser Rechtsprechung ist also in jedem Fall Vorsicht geboten. Gehen Sie lieber stets auf Nummer sicher: Sollten Sie planen, in naher Zukunft Ihr Gebiss im EU-Ausland sanieren zu lassen, bitten Sie Ihren hiesigen Zahnarzt oder eine Uniklinik in Ihrer Nähe um einen aktuellen Heil- und Kostenplan (HuK). Diesen HuK, der nicht älter als sechs Monate sein darf, reichen Sie vor Beginn der Behandlung bei Ihrer zuständigen Krankenversicherung ein. Den genehmigten HuK schicken Sie dann der ausführenden Praxis. Da der dortige Zahnarzt Sie in der Regel vorher noch nicht gesehen hat, sollten Sie stets auch aussagekräftige Röntgenbilder beifügen. So kann sich der Behandler viel eher ein Bild über die medizinischen Voraussetzungen in Ihrem Mund machen. Die ausländische Praxis wird aufgrund des HuK und der Röntgenbilder einen Kostenvoranschlag für die Behandlung erstellen, aus dem auch die voraussichtliche Behandlungsdauer ersichtlich ist. Diesen reichen Sie unbedingt und ebenfalls vor Behandlungsbeginn bei Ihrer Krankenkasse ein. Ist das alles schließlich genehmigt, sollte Ihrem Urlaub und Ihren neuen Zähnen mit entsprechendem Kostenzuschuss der Kasse nichts mehr im Wege stehen. Generell gilt, dass ausschließlich zahnprothetische Behandlungen vorab von Ihrer hiesigen Krankenkasse genehmigungspflichtig sind. Gehen Sie aber sicherheitshalber kein Risiko ein und fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse auch dann an, wenn Sie schon wissen, dass im Ausland eine ambulante Zahnbehandlung fällig sein sollte. Dann dürfte gar nichts mehr schief gehen.

(Meldung vom 10.07.2009)

Weitere Meldungen der Zahnmedizin:
Geschichten und Bräuche um die Zahnung unserer Kleinsten
Die Sache mit dem Fluorid
"Zucker-Dschungel: Zahnschonend oder zahnfreundlich; Zuckerersatz oder Zuckeraustauschstoff "
Hilfe mein Kiefer schrumpft
Kopfschmerz trifft auf Zahnmedizin – da wird Ihnen geholfen
Pflegefall Implantat
Warum ist Zucker für die Zähne schädlich?
Karies vom Knutschen?
Zeigt her Eure (sauberen) Zähne
Oral- oder Kieferchirurg – bitte vorstellen?