Geschichten und Bräuche um die Zahnung unserer Kleinsten

Haben Sie zur Geburt Ihres Kindes von der Großtante Gerda auch so eine – doch eher altertümlich anmutende – braun-gelbe Bernsteinkette mit spezieller Knotung geschenkt bekommen? Oder war es gar ein Bändchen mit einer schrumpeligen Veilchenwurzel? Damals Dann können Sie davon ausgehen, dass Großtante Gerda eher nicht so gute Erfahrungen mit dem Zahndurchbruch (= Dentition) der eigenen Kleinen hatte und Ihnen schon jetzt ein Hilfsmittelchen an die Hand geben möchte, damit Sie durch diese – manchmal sehr nervige Phase – besser durchkommen. Zahnmedizinisch ist der Zahndurchbruch nicht wirklich ein spektakuläres Ereignis. Im Hinblick auf Brauchtum und Geschichte lassen sich aber Gaben von Glückbringern oder Talismanen für einen komplikationslosen Zahndurchbruch bis in die Antike verfolgen. Ob es nun Halsbänder mit Mineralien (Bernstein, Glasperlen, Malachit, Korallen oder Magnetsteinen), pflanzliche Amulette (mit Hirtentäschelkraut, Veilchen- oder Iriswurzeln, Sauerdorn oder Efeuwurzeln) oder gar solche aus Knochen, Zähnen oder Haaren waren. Alle zielten auf eine gesunde Entwicklung des Kindes hin und das war aufgrund der damals sehr hohen Säuglings- und Kindersterblichkeit auch nicht verwunderlich. Ruhige Nächte für die frischgebackenen Eltern waren – im Gegensatz zu heute - noch nicht so sehr ein wirklich wichtiges Thema. In manchen Kulturkreisen wurden sogar – für uns heute vollkommen unverständlich - tierische Gaben wie Mäuse oder Skarabäen gemacht. Auch viele Bräuche beziehen sich an die Zeit der Dentition: Das Zerbrechen eines Topfes, um die nachfolgenden Milchzähne peinfrei durchbrechen zu lassen oder einfach nur großzügige Geschenke für Mutter und Kind. Mancherorts erhielt derjenige, der den durchblitzenden Zahn als erstes entdeckte, ein sogenanntes Zahngeld. In welcher Höhe, darüber schweigen die Überlieferungen allerdings. Gelehrte des 18. / 19. Jahrhunderts vertraten die Auffassung, dass „schädliche Stoffe im Körper“ oder „ein krankmachender Speichel“ der Kleinen für eine schwierige Zeit der Zahnung verantwortlich war. Sie gaben diesem Ereignis sogar eine Mitschuld an der hohen Sterblichkeitsrate der Säuglinge und Kleinkinder. Extremste Vertreter ihrer Art empfahlen sogar das Ziehen der Milchzähne als „Wurzel allen Übels“. Heute Auch heute gibt es Kleinkinder, die sich mit der Zahnung echt plagen müssen. Wie bereits oben erwähnt, sind mittlerweile auch heute wieder die alten Hilfsmittelchen wie Bernsteinketten oder Veilchenwurzeln zum Kauen „in“. Sollten Sie selbst von diesen „Voodoo-Mittelchen“ nicht überzeugt sein, sprechen Sie mit Ihrem Zahnarzt. Er kann Ihnen ganz bestimmt zeitgemäße Alternativen zum Althergebrachten nennen. Auch die Homöopathie mit Ihren Kügelchen und Essenzen bietet mittlerweile eine erklägliche Palette an (Zahnungs-)Schmerzmitteln. In jedem Fall können Sie in einem sichergehen: Milchzähne werden heute nur noch im äußersten Notfall gezogen.

(Meldung vom 08.07.2009)

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