Hilfe mein Kiefer schrumpft

Gottlob leben wir im 21. Jahrhundert und nicht mehr im Mittelalter. Heute ist ein vollständiges Gebiss auch im Alter von 80 Jahren keine Seltenheit mehr. O.k., o.k. – die echten eigenen Zähne sind es dann wohl eher nicht mehr – aber prima echt aussehende Ersatz-Zähne (Implantate, Brücken, Prothesen), die zudem als Beiss-Apparatur in der Regel ganz hervorragend funktionieren. Aber auch in heutiger Zeit gibt es immer noch Menschen mit fehlenden Zähnen. Vielleicht weil sie Angst vor der Behandlung haben, vielleicht, weil momentan die Zeit fehlt, oder, oder, oder. Bleibt eine Zahnlücke allerdings längere Zeit unbezahnt, schwindet infolge von Nicht-Belastung der Kieferknochen an dieser Stelle relativ schnell. Da er nicht wirklich beansprucht wird, schrumpft oder atrophiert (aus dem Griechischen von Atrophia = Nahrungsmangel, Abmagerung, Gewebeschwund) der Knochen. Soll die Zahnlücke später doch zum Beispiel mit einem Implantat besetzt werden, muss zunächst der Kiefer wieder aufgebaut werden. Denn selbst der filigranste künstliche Zahn benötigt eine Mindestmenge an Knochen, um nicht haltlos zu werden. Lassen Sie uns die verschiedenen Möglichkeiten des Knochenaufbaus (medizinisch = Augmentation) daher mal genauer betrachten: Zunächst unterscheidet man zwischen ein- und zweizeitigen Verfahren. Beim einzeitigen wird sowohl der Knochenaufgebau, als auch - zeitgleich – das Implantat gesetzt. Beim zweizeitigen Aufbau liegt zwischen dem Knochenaufbau und dem Setzen des Implantates einige Zeit – in der Regel, da mehr Knochenmaterial wiederhergestellt werden muss. Knochenaufbau - die Verfahren Für den eigentlichen Knochenaufbau gibt es verschiedene Verfahren. Bei geringen Knochendefiziten kommen sogenannte Chips zum Einsatz. Hierbei handelt es sich um Späne eigener Knochen. Ist das Defizit größer, werden diese Späne mit Knochenaufbaumaterialien (zum Beispiel Hydroxylapatit, ß-TCP oder Biogläsern) gemischt. Ist der Knochen sowohl in der Höhe als auch in der Breite geschrumpft, können mittels Augmentation Knochen aus dem Kieferwinkelbereich verpflanzt werden. Beim sogenannten Bone spreading (Knochen-Dehnung) wird der Unterkieferknochen angeschlitzt und auseinander gedehnt, um anschließend das neue Knochenmaterial einbringen zu können. Bei der Distraktionsosteogenese wiederum werden mittels kleiner Schräubchen die betroffenen Knochenbereiche auseinander gedehnt. Zwischen den Bereichen entsteht dann neues, eigenes Knochenmaterial. Soviel zum Unterkiefer-Bereich. Im Oberkiefer ist das Ganze leider durch angrenzende Kiefer- und Nasennebenhöhlen noch etwas komplizierter. Infolge von Zahnlosigkeit wandert der Kieferhöhlenboden oftmals nach unten und muss vor der Implantatversorgung unbedingt angehoben werden. Außerdem ist die vorhandene Knochenschicht meist extrem dünn. Beim sogenannten internen Sinus lift wird die Schleimhaut des betroffenen Zahngebietes angehoben, Knochenersatzmaterial eingespritzt, mit einer resorbierenden (selbstauflösenden) Folie bedeckt und anschließend sofort das Implantat gesetzt. Besteht ein größeres Knochendefizit, kommt der externe Sinus lift zum Zuge: Hierbei wird die seitliche Kieferhöhlenschleimhaut vorsichtig angehoben und in den offenen Bereich Knochenersatzmaterial eingebracht. Die Implantatsetzung kann bei diesem aufwendigen Eingriff frühestens nach vier bis sechs Monaten erfolgen. Sie sehen – machbar ist heute fast alles. Aber es geht doch wirklich nichts über eigene echte Zähne. Also: Immer schön putzen – dann bleiben Ihnen die „Echten“ auch maximal lange erhalten.

(Meldung vom 01.07.2009)

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