Oral- oder Kieferchirurg – bitte vorstellen?

Wurde Ihnen schon einmal ein Zahn gezogen? Oder war es gar die grausliche Entfernung der leider oftmals überflüssigen und zu allem Übel gern auch noch querliegenden „Achter“ – der Weisheitszähne? Dann wissen Sie ja so in etwa, womit sich ein Oral- oder Kieferchirurg unter anderem beschäftigt. Natürlich ist sein Tätigkeitsfeld noch wesentlich umfangreicher. Grob teilt man seine Arbeit in drei Schwerpunkt-Behandlungen ein: - Dento-alveoläre Chirurgie (alveoläre von Alveole = Zahnfach), - Wiederherstellende Chirurgie und Kosmetische Chirurgie. Dento-alveoläre Chirurgie ist Chirurgie an Zähnen und Kieferknochen. Hierzu gehören vor allem Zahnextraktionen (Zähne ziehen), Behandlungen von Entzündungen, Zysten und Granulomen (Entzündungsherde an der Zahnwurzel) durch zahnerhaltende Maßnahmen und auch die Entfernung retinierter (verlagerter) Zähne. Die kosmetische Chirurgie des Oralchirurgen bezieht sich meist auf Korrekturen unschöner Kleinigkeiten, die zum Beispiel durch eine kieferorthopädische Behandlung nicht in den Griff zu bekommen sind. Im Bereich der Wiederherstellenden Chirurgie beschäftigt sich der Oral-Fachmann vor allem mit fehlenden Zähnen. Denn um einen seit längerem fehlenden Zahn zum Beispiel durch ein Implantat ersetzten zu können, bedarf es oftmals zunächst der Vorarbeit am atrophierten (geschrumpften) Kieferknochen. Denn jedes Implantat benötigt eine Mindestmenge an Knochen, um später als vollständiger Zahnersatz seine schwere Arbeit auch wirklich wahrnehmen zu können. So bieten sich heute dem Oralchirurgen zahlreiche Möglichkeiten, einen solchen geschrumpften Kieferknochen so weit wieder aufzubauen, dass er die spätere Last und die dort waltenden Kräfte perfekt (er-)tragen kann. Als letztes – in heutiger Zeit immer wichtiger werdendes - Einsatzgebiet steht noch die Behandlung von sogenannten Risikopatienten wie Patienten mit Herzfehler oder Gerinnungsstörungen ganz weit oben. Diese mit hohen Risiken behafteten Menschen reagieren nämlich meist überaus empfindlich und unberechenbar auf Medikamente oder Narkosen. Daher sind sie bei jedwegen größeren Eingriffen im Zahnbereich in jedem Fall beim Oralchirurgen in den besten Händen. Denn die Zusatzbezeichnung Kiefer- oder Oralchirurg darf nur führen, wer nach dem abgeschlossenen Studium der Zahnmedizin noch weitere vier Jahre in die Zusatzausbildung gegangen ist. Zwingend vorgeschrieben ist während dieser vierjährigen Weiterbildung unter anderem ein Jahr Praxiszeit in einer Zahnklinik. Den Abschluss findet die Zusatzqualifikation schließlich in einer Prüfung vor der Zahnärztekammer. Die Oralchirurgie ist ein Spezialgebiet der Zahnmedizin und neben der Kieferorthopädie die einzige anerkannte zahnärztliche Fachrichtung. Steht Ihnen also demnächst eine etwas größere zahnärztliche Behandlung ins Haus, fragen Sie doch einmal Ihren Zahnarzt nach einem solchen Fachmann. Sicherlich wird Ihr Behandler Ihnen die Konsultierung eines Kieferchirurgen aber so oder so ans Herz legen, wenn er als ganz „normaler“ Zahnarzt sieht, dass dieser komplizierte Eingriff wohl doch besser vom Fachmann ausgeführt wird.

(Meldung vom 17.06.2009)

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