Amalgam – immer wieder ein Thema

Wir alle kennen den mittlerweile stark umstrittenen Füllstoff Amalgam, mit dem jahrzehntelang bedenkenlos unsere Karieslöcher gefüllt wurden. Das Amalgam schlechthin gibt es übrigens nicht. Der Stoff ist stets eine Mischung (Legierung) aus Quecksilber – ein flüssiges, silbergraues und in großen Mengen für den Menschen giftiges Schwermetall - und einem Edelmetall wie z.B. Silber, Kupfer oder Zinn. Daher existieren sehr viele Varianten des früher beliebten, weil prima zu verarbeitenden, lange haltbaren und vor allem überaus günstigen Füllstoffes für unsere Zähne. Egal welche Edelmetalle beigemischt sind, eine solche Füllung besteht immer zu etwa 50 Prozent aus Quecksilber. Durch mechanische Belastungen beim Kauen sowie chemische Vorgänge im Mundraum werden hiervon immer wieder geringe Mengen in den Körper abgegeben. Leider, leider – sie verbleiben auch dort und werden, da nicht abbaufähig, in Blut und Organen angesammelt. Aber: Auf die Menge kommt es an. Essen Sie zum Beispiel regelmäßig Seefisch um Ihre Jod-Versorgung zu sichern, nehmen Sie oftmals mehr Quecksilber auf, als Ihre noch vorhandenen Amalgam-Füllungen im Mund pro Woche freisetzen können. Wissenschaftlich fundierte Untersuchungen zur gesundheitlichen Bedenklichkeit des Materials, gibt es bisher auch keine. Dennoch ist in Zeiten des aufgeklärten Patienten eine solche Belastung für viele nicht mehr akzeptabel. Daher raten vor allem ganzheitlich orientierte Zahnärzte ihren Amalgam-Patienten, diese Füllungen möglichst Stück für Stück durch andere Materialien zu ersetzen. Für Amalgam-Allergiker geht an einer Sanierung der „Alten“ kein Weg vorbei. Entscheiden Sie sich kontra Amalgam, sollten Sie bereits vor Behandlungsbeginn unbedingt einige Dinge beachten. Sie können zum Beispiel zunächst einmal den Quecksilbergehalt Ihres Blutes und Ihres Urins testen lassen. Im Blut sollten nicht mehr als 30, im Urin nicht mehr als 100 Mikrogramm Quecksilber pro Liter Blut nachweisbar sein. Statt der Blut- und Urin-Testungen werden leider nach wie vor häufig nur die weniger aussagekräftigen Speicheltests durchgeführt. Geben Sie sich damit nicht zufrieden – wenn schon testen, dann auch richtig. Aber: Bedenken Sie auch die Sache mit dem Seefisch – siehe oben! Eine Experten-Kommission des Robert-Koch-Institutes Berlin hat bereits 2007 eine Richtlinie für die sichere Entfernung des Amalgams herausgegeben. Wichtig ist, dass der Zahnarzt bei dieser Behandlung Nebel- und Speichelsauger sowie eine Wasserspraykühlung einsetzt, um eine Erhitzung des Füllmaterials zu vermeiden. Außerdem wird der Einsatz eines sogenannten Kofferdam – einer speziellen Gummiabdichtung des gesamten Mundraumes – empfohlen, der vor Amalgamresten schützt. Um auch vor den giftigen Dämpfen gefeit zu sein, setzen Spezialpraxen Atemmasken ein, die den Patienten extern mit Sauerstoff versorgen. Gut wäre es, möglichst viel Material ohne Bohren aus dem Zahn zu bekommen. Eingesetzt werden hierfür meist extrem niedertourige Einmal-Hartmetallfräser. Möglichst minimal bleibt die Belastung natürlich, wenn die Möglichkeit besteht, die alten Amalgam-Füllungen nur peu á peu entfernen lassen. Dies ist für Allergiker leider meist keine Option. Sind Sie gar schwanger oder stillen Sie noch, sollte auf die Füllungssanierung vollkommen verzichtet werden. Die Gefahr für eine Belastung Ihres Kindes steht in keinem Verhältnis zum Nutzen. Informieren Sie sich vor einer geplanten Behandlung ausführlich über spezialisierte Praxen und deren Behandlungsmethoden. Oder: Suchen Sie doch mal bei locello nach einem geeigneten Behandler. Da werden Sie geholfen.

(Meldung vom 08.05.2009)

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