Zahnsanierung und Gebühren-Dschungel

"Steht Ihnen in der nächsten Zeit eine Sanierung des Gebisses bevor? Dann sollten Sie unbedingt weiterlesen, bevor Sie sich neue Zähne statt des wohlverdienten Sommerurlaubes gönnen. Selbst für eine Kleinsanierung eines oder zweier Zähne sollten Sie Ihren Zahnarzt immer um einen Kostenvoranschlag bitten. Dieser Kostenvoranschlag beim Zahnarzt heißt übrigens Heil- und Kostenplan und sollte tatsächlich detailliert auf jede einzelne Behandlungsmaßnahme eingehen, die nach Meinung Ihres Behandlers für Ihre Heilung erforderlich ist. Hierzu gehören die einzelnen Positionen der GOZ – der Gebührenordnung für Zahnärzte – und der dazugehörige erforderliche Steigerungssatz. Den Steigerungssatz kann Ihr Zahnarzt je nach Schwierigkeit und Zeitumfang ein wenig anpassen. Wobei die Spanne der Anpassung bei den gesetzlich versicherten Patienten schon sehr eingeschränkt ist. Mehr ist da bei den Privatversicherten möglich. Bei den Privaten ist für die zahnärztliche Behandlung ein Steigerungssatz vom einfachen bis zum 2,3fachen Satz der GOZ-Ziffer möglich; für medizinisch-technische Leistungen liegt er zwischen dem einfachen und dem 1,8fachen Satz. Wird diese Spanne überschritten, muss eine schriftliche Kurzbegründungen hierfür angegeben werden. Liquidiert Ihr Behandler gar über den 3,5fachen (medizinisch-technische Leistungen über 2,3fach) Satz, muss diese Begründung sogar ausführlich ausfallen. Auch wesentlich höhere Steigerungssätze sind bei während der Behandlung auftretenden extremen Schwierigkeiten möglich, wenn der Zahnarzt sie entsprechend begründen kann. Sie sehen, selbst die Gebührendetails sind schon nicht ohne – ganz zu schweigen natürlich von den medizinischen Dingen, die aus diesem Heil- und Kostenplan hervorgehen. Auch wenn Ihr Zahnarzt Sie bestimmt genauestens über die Behandlung und deren Notwendigkeit informiert hat. In der Regel sind diese medizinischen Details für Sie als Patient wahre „Böhmische Dörfer“, daher geben Sie jeden Heil- und Kostenplan mit der Bitte um Prüfung an ihre Krankenversicherung. Und zwar immer vor Behandlungsbeginn! Sollten Sie eine Behandlung – auch wenn sie medizinisch durchaus Sinn macht – ohne vorherige Zustimmung Ihrer Versicherung durchführen lassen, haben Sie nach neuester Rechtsprechung des Landessozialgerichts Stuttgart und Baden-Württemberg den Schwarzen Peter gezogen: Der Versicherer muss diese Kosten – wie gesagt auch wenn sie medizinisch notwendig waren – nicht übernehmen. Im Nachhinein ist eine Kostenübernahme nicht gewährleistet und somit allenfalls eine Kulanzregelung. Diese Vorabgenehmigung kann natürlich im Notfall nicht eingeholt werden und gilt nur für langfristig geplante Behandlungen."

(Meldung vom 06.05.2009)

Weitere Meldungen der Zahnmedizin:
Schwangerschaft und Zahnpflege – worauf Sie unbedingt achten sollten
Zahnpasta oder was kommt mir da eigentlich täglich in den Mund?
Was es nicht alles so gibt: Tag der Zahngesundheit
Hilfe, meine Zähne haben Schnupfen!
Hilfe, ich knirsche...
Zahnarzt, na klar – aber wann zum ersten Mal, wie oft, und was kostet das?
Schnulleralarm – 60 Jahre „kiefergerechter Beruhigungssauger“
„Ihre Zähne sind in Ordnung – aber das Zahnfleisch muss raus“ – Parodontitis IV
„Ihre Zähne sind in Ordnung – aber das Zahnfleisch muss raus“ – Parodontitis III
„Ihre Zähne sind in Ordnung – aber das Zahnfleisch muss raus“ – Parodontitis II