Zahnpasta oder was kommt mir da eigentlich täglich in den Mund?

"Schon die alten Ägypter wussten den Wert guter Zähne zu schätzen und verwendeten so etwas wie eine Zahnpasta: Sie mischten einfach gemahlenen Bimsstein mit Weinessig und ließen damit ihre Zähne strahlen. Später versuchten es findige Leute mit Kreidepulver. 1852 erfand ein pfiffiger Apotheker die sogenannte Zahnseife; 1907 war dann endlich die Geburtsstunde der ersten echten Zahnpasta – allein schäumen konnte die noch nicht. 1907 wurde die Paste aus Bimssteinpulver, Kalziumkarbonat, Seife, Glyzerin und Kaliumchlorat dann in die altbewährten Metalltuben gefüllt und zum besseren Geschmack noch mit Pfefferminze angereichert. Ihr Name: Chlorodont, von „chloros“ = hellgrün, stehend für frisch und „odon“ = Zahn. Damals war es also recht einfach: Man ging zum Tante-Emma-Laden und kaufte sich seine Zahnpasta. Heute werden wir von der Vielfalt der unterschiedlichen Tuben im Drogerieregal schier erschlagen. Qual der Wahl – welche ist wohl meine? Lassen Sie uns doch mal schauen: Grundsätzlich besteht jede Zahnpasta vor allem aus dem sogenannten Putzkörper. In der Regel werden hierfür Silikatverbindungen wie Schlämmkreide oder auch Marmor verwendet. Sie haben die Aufgabe den Zahnbelag (Plaque) und schädliche Bakterien zu entfernen – die Hauptaufgabe der täglichen Zahnhygiene. Zusatzstoffe bringen die Paste vor allem zum Schäumen, damit eine regelmäßige Verteilung im Mund gewährleistet ist und Essensreste gelockert und weggespült werden können. Damit sie in der Tube nicht zu Beton mutiert, wird der Zahncreme Sorbitol beigemengt – ein Feuchthaltemittel und wunderbarer Trägerstoff für die zahlreichen Geschmacks- und Aromastoffe – damit es nicht nur schöne Zähne macht, sondern auch noch lecker schmeckt. Zur Karies- und Parodontitisprophylaxe werden schließlich meist Fluoride, Triclosan und weitere chemische Stoffe zugesetzt. Sie sollen die Zähne schützen und die Bildung von Zahnstein nachhaltig verhindern. Allerdings stehen einige Stoffe (z.B. Triclosan) im Verdacht, bei empfindlichen Menschen Allergien auslösen zu können. Zu guter Letzt kommen noch die Konservierungsstoffe hinzu, damit die Haltbarkeit gewährleistet ist. Soviel zum Generellen. Im Speziellen gibt es noch viel, viel mehr: Zahnpasta für empfindliche Zähne, mit besonderem Parodontoseschutz, gegen Verfärbungen, für Kinder, für Allergiker und so weiter und so weiter. Hat man keine Probleme mit freiliegenden Zahnhälsen oder Allergien, und sucht man nicht nach der passenden Paste für die Kleinen, kann man getrost nach Lust und Laune wählen. Liegen allerdings Schädigungen vor, sollte man auch beim Zahnpastakauf etwas genauer hinschauen. Leider sind nämlich die Hersteller nicht verpflichtet, die Inhaltsstoffe der Cremes anzugeben. Seriöse Produzenten hingegen verweisen neben den Inhaltsstoffen sogar auf den RDA-Wert (Radioactive Dentin Abrasion), der angibt, wie stark abtragend (= abrasiv) die Paste wirkt. Bei Menschen mit empfindlichen oder vorgeschädigten Zähnen eine sehr wichtige Information. Werte bis zu 70 gelten als gering schmirgelnd (Elmex sensitive hat z.B. einen RDA-Wert von 30) und sind daher für empfindliche Zähne geeignet. Bestehen Allergien, sollten Sie das Gespräch mit Ihrem Zahnarzt suchen. Der wird garantiert Licht in den Tuben-Dschungel bringen können und auch für Sie die passende Paste finden. Vor dem Gebrauch besonders abrasiver oder aber entfärbender Zahnpasten, die auch im Drogeriemarkt erhältlich sind, sollten Sie in jedem Fall einen zahnärztlichen Rat einholen. Sonst könnte die gesunde Zahnhygiene ganz leicht nach hinten losgehen."

(Meldung vom 30.04.2009)

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