Hilfe, meine Zähne haben Schnupfen!

Kennen Sie das? Sie machen einen schönen Spaziergang in herrlich klarer Winterluft, atmen herzhaft durch den Mund ein - und möchten am liebsten vor Schmerz im Boden versinken? Ein heftiges Ziehen an den Zähnen lässt Ihnen die Tränen in die Augen schießen. Das leckere Eis oder die heiße Suppe verursacht Ihnen ebensolche Pein? Dann gehören Sie wohl zu dem Drittel der 20- bis 50-Jährigen, die an überempfindlichen Zähnen leiden. Am häufigsten treten diese Beschwerden zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr und zu 60 Prozent bei der weiblichen Spezies auf. Klar ist, dass der Zahnschmelz, der das darunter liegende sensible Dentin (Zahnbein) schützt, an einigen Stellen Ihrer Zähne abhanden gekommen ist. Unklar ist allerdings noch immer, was den von empfindlichen Zähnen Betroffenen nun wirklich helfen kann. Viele probieren zunächst eine sensiblere Zahnpflege: Weiche Zahnputzborsten, kein starkes „Schrubben“ mehr oder eine spezielle Zahnpasta für sensible Zähne kommen zum Einsatz. Frühere Tipps wie „Putzen Sie von rot nach weiß“ oder „Nutzen Sie nur Salz zur Zahnpflege“ sind nach heutigen Erkenntnissen nicht mehr angesagt. Selbst wenn diese Tipps vielleicht zunächst Abhilfe schaffen, ist die Linderung meist nur von kurzer Dauer. Große Putzkörper (wie eben die Salzkörner) können aber sogar noch Schlimmeres anrichten. Neueste wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass eine Zahnpasta mit hohem Anteil an Kalium- und Strontiumsalzen effektiv helfen kann. Kaliumchlorid wirkt schützend und beruhigend auf den Zahnnerv. Strontiumchlorid unterbricht die Schmerzweiterleitung durch Verschluss der Dentinkanälchen. Damit haben beide Salze in Kombination eine prima desensibilisierende Wirkung auf die empfindlichen Zähne und können – in der Regel allerdings nur in sehr hohen Dosierungen – wirklich helfen. Eine unterstützende Eigenbehandlung mit entsprechenden gering abrasiven (abtragenden) Zahnpasten kann allerdings in keinem Fall etwas schaden. Reden Sie unbedingt mit Ihrem Zahnarzt über dieses Thema – er kann Ihnen auch entsprechende Pflegeprodukte empfehlen. Empfindliche Zahnhälse oder Zähne sind in keinem Fall eine Lappalie! Bleiben sie dauerhaft unbehandelt, ziehen sich die Nerven immer weiter in die Zahnwurzel zurück. Bei starken Belastungen kann es im schlimmsten Fall sogar zu einer Entzündung oder gar zum Absterben der Nerven kommen. Ihr Behandler kann die freiliegenden Zahnhälse zum Schutz auch mit einer Art Versiegelung versehen. Allerdings ist die nicht von Dauer. Kommt zum abgeschliffenen Gebiss auch noch das Knirschen hinzu, sollten Sie unbedingt das nächtliche Tragen einer Knirscherschiene in Betracht ziehen. Durch das nächtliche Mahlen der Zähne aufeinander werden nämlich die Zahnhälse oft noch mehr freigelegt. Und da das Dentin wesentlich weicher ist als der schützende Zahnschmelz, kann es auch wesentlich schneller noch zu einer Zahnhalskaries kommen. Und das macht dann wirklich Schmerzen.

(Meldung vom 27.04.2009)

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