Schnulleralarm – 60 Jahre „kiefergerechter Beruhigungssauger“

Babies nuckeln gern: Es beruhigt und entspannt unsere Kleinsten einfach ganz prima. Am schönsten nuckelt es sich natürlich an Mamas Brust – aber das geht ja leider nicht dauerhaft. Da gibt es die süßen Kleinen, die – wie häufig auf den Ultraschallbildern von Mamas Bauch-Innenleben zu sehen ist – ihren Daumen als dauerhaft vorhandenen Nuckel-Kumpel entdecken. Meist wird der kleine Freund dann auch sofort zum Einsatz gebracht, sobald sich erste Ermüdungserscheinungen einstellen oder Traurigkeit im Anflug ist. Die andere Fraktion der Minis kriegt von den Großen dann doch lieber den „ambulanten“ Daumenersatz in Form eines Schnullers „verpasst“, damit auch ohne Mamas Busen oder eigenen Daumen beruhigt eingeschlafen werden kann. Das Dilemma: Ist nun der Daumen oder der wohlgeformte Beruhigungssauger fataler für die Entwicklung des kindlichen Gebisses? Eins ist sicher: Dauerhaft eingesetzt hindern beide die natürliche Gebissentwicklung. Ganz zu schweigen von der oft leidigen und meist tränenreichen Entwöhnungsphase. Doch zunächst zur zahnmedizinischen Seite: Der benuckelte Daumen des Babys drückt die oberen Zähne massiv nach vorn, die unteren hingegen extrem nach hinten. Das Ergebnis ist der sogenannte „offene Biss“ – Ober- und Unterkiefer passen dann nicht mehr schlüssig aufeinander. Außerdem wird die Lage der Zunge durch den Druck des Daumens negativ beeinflusst: Sie liegt zu weit vorn an den Zähnen und stört beim Sprechen - das Kind neigt stärker zum Lispeln. Lutschen die Minis sehr lange am Daumen, ist meist eine spätere kieferorthopädische Korrektur unumgänglich. Beim Einsatz eines Schnullers entfällt zwar der nach hinten schiebende Druck auf den Unterkiefer – der Vorschub auf den Oberkiefer aber bleibt. Dementsprechend ist der dosierte Gebrauch eines kiefergerechten Nuckels geringer kieferschädigend als der Daumen. Die Betonung liegt hier aber ganz klar auf „kiefergerecht“. In den letzten 60 Jahren hat sich auf diesem Gebiet sehr viel getan. Waren die ersten Nuckel rund und groß, sind mittlerweile die möglichst kleinen, flachen Schnuller angesagt. Lassen Sie sich als Eltern nicht von der bunten Vielfalt der Beruhigungshilfen ablenken. Fragen Sie gegebenenfalls Ihren Zahnarzt nach einer passgenauen Nuckelhilfe für die Kleinen – der kann Ihnen garantiert gute Tipps hierzu geben. Gute Tipps sind leider allerdings meist auch für die Entwöhnung von der Nuckelhilfe angesagt. Eigentlich sollte der Schnuller bereits mit Einsatz der ersten festen Nahrung aus dem Mund des Kindes verbannt werden – also etwa mit Ende des ersten Lebensjahres. Das gelingt allerdings nur sehr selten. Spätestens mit dem zweiten Lebensjahr gehört der Nuckel aber in jedem Fall möglichst nur noch nachts in den Mund. Tagsüber ist Schnullerverbot, sonst sind Verformungen des Kiefers und krumme Milchzähne programmiert. Verabschieden Sie sich von der Schnullerschar doch mit einem schönen Schnullerbaum, an dem Sie jeden Tag vorbeigehen. Einfacher fällt es natürlich, wenn jeder Abschied von einem Nuckel zum Beispiel mit einer Kleinigkeit von der Schnullerfee (die kleine Schwester der Zahnfee) versüßt wird. Probieren Sie einfach aus, was bei Ihrem Kind am besten funktioniert.

(Meldung vom 21.04.2009)

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