„Ihre Zähne sind in Ordnung – aber das Zahnfleisch muss raus“ – Parodontitis IV

Ihre Mundhygiene ist mehr als ordentlich? Bei Ihrem Zahnarzt haben Sie ein Abonnement für die regelmäßige Professionelle Zahnreinigung? Und diese hässliche Sache mit der Belags- und Konkremententfernung haben Sie sowohl auf dem konservativen als auch auf dem operativen Weg in seinem Variantenreichtum leidvoll ertragen? Dennoch: Eine dauerhafte Besserung der Parodontitis will und will sich nicht einstellen? Verzweifeln Sie nicht – Sie sind nicht allein mit diesem Problem. Denn leider ist es nun mal so, dass die krankmachenden Parodontitis-Bakterien nicht nur in Ihrem Mund ihr Unwesen treiben. Nein, diese lästigen Biester sind überaus rege und verbreiten sich – im schlechtesten Fall – im ganzen Körper. So wird Ihr Behandler die kleinen Biester auch auf der Mundschleimhaut, auf der Zunge (die tiefen Furchen dort bieten einen ähnlich guten Lebensraum wie die Zahnfleischtaschen an), im Speichel oder auf den Rachenmandeln nachweisen können. So ist es nicht verwunderlich, dass nach einer ausgiebigen und akribischen Entfernung der Bakterien in Nullkommanix eine neuerliche Infektion der behandelten Bereiche eintreten kann. Hierfür wurde das Konzept der Rundum-Desinfektion (Full-Mouth-Desinfection) entwickelt. Was passiert hierbei? Bei ein bis zwei Sitzungen zur Belags- und Kokrement-Entfernung (Curettage) in relativ schneller zeitlicher Folge wird Ihr Zahnarzt auch den Zungenbelag entfernen. Zunge und Rachenraum werden mittels Sprühdesinfektion und Mundspülungen von den Parodontitis-Bakterien befreit. So entsteht ein Milieu, in dem sich die Bakterien nicht mehr wohlfühlen – die Heilungschance steigt um ein Vielfaches. Noch effektiver wäre natürlich eine konkrete Bestimmung der beteiligten Bakterienstämme im Mund- und Rachenraum. Nur so könnten sie gezielt bekämpft werden. Allerdings sprengt diese Variante der Behandlung meist den Behandlungsrahmen, da sie überaus aufwendig und entsprechend teuer ist. Als Parodontitis-Geplagter sollten Sie vielleicht auch in Erwägung ziehen, die Familie oder zumindest den Partner mit untersuchen zu lassen. In jedem Fall sollte der Partner auch ein verstärktes Augenmaß auf eine umfangreiche und sorgfältige Mundhygiene legen. Oftmals ist sonst das Hin- und Hergeben der Bakterien durch körperliche Kontakte – und damit auch die Parodontitis - nicht in den Griff zu kriegen. Das A und O beim Kampf gegen die Parodontitis wird – ein Leben lang – eine perfekte Mundhygiene in Kombination mit der Professionellen Zahnreinigung durch Ihren Zahnarzt sein. Und: Vergessen Sie nicht, dass auch Zahnbürsten Bakterienschleudern sein können: Wechseln Sie Ihre Bürste mehr als regelmäßig, damit die tägliche Mundhygiene nicht noch nach hinten losgeht.

(Meldung vom 20.04.2009)

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