„Ihre Zähne sind in Ordnung – aber das Zahnfleisch muss raus“ – Parodontitis III

Nun kennen Sie die Gründe der Entstehung einer Parodontitis, Kontrollinstrumente, die Sie selbst nutzen können und eventuelle Auswirkungen auf Ihren gesamten Organismus. Als informierter Patient sollten Sie natürlich auch noch wissen, was Ihr Zahnarzt im Akutfall mit Ihnen so anstellt. Schauen Sie hier – er hat in diesem Fall nämlich recht beachtliche Behandlungsmöglichkeiten. Priorität hat für jeden Behandler einer Parodontitis der dauerhafte Stopp der oralen Entzündung. Hierfür müssen zunächst die Beläge (weiche = Plaque wie harte = Konkremente) entfernt werden. Hiergegen setzt Ihr Zahnarzt die sogenannte Curettage (auch Scaling oder Root Planning genannt) ein. Mit Hilfe von scharfen Handgeräten – die Curetten - werden unter Betäubung die Zahnfleischtaschen von Belägen befreit. Ziel ist es, sie auch künftig möglichst belagfrei und damit relativ flach zu halten. Die Ideallösung – dauerhaft ohne Taschen – gelingt allerdings selbst dem besten Behandler bei extrem tiefen Taschen kaum. Ein großer Nachteil dieser Handmethode ist, dass durch stärkere Verletzungen der Tascheninnenhaut heftige Folgeschmerzen auftreten können. Daher entwickelten pfiffige Tüftler schließlich das Ultraschall-Gerät für diese Behandlung. Aber auch diese schmerzfreiere Behandlungsart hat ihre Nachteile: Kaum vermeidbar ist hierbei das leichte Verkratzen der Wurzelhälse. Durch die angerauten Flächen können sich künftige Beläge viel schneller und haltbarer am Zahn ansiedeln. Auch Diamantschleifer werden mittlerweile bei der Belagentfernung eingesetzt. Allerdings kommt es bei ihrem Einsatz oftmals zu einem vermehrten Abtrag von Zahnhals-Substanz, der nicht unbedingt wünschenswert ist. In Sachen neueste Techniken für die sanfte Plaque- und Konkrement-Entfernung stellen auch Laser eine Option dar. Allerdings werden sie noch nicht lange eingesetzt, und dementsprechend fehlt es bisher an wissenschaftlichen Erkenntnissen zu dieser Behandlungsart. Als letzte Variante wäre noch die rotierend-instrumentelle Curettage erwähnenswert. Hier geht es dem Belag mit rotierenden Gerätschaften an den Pelz. Vorteil dieser Behandlungsform ist, dass wesentlich weniger Zahnhautverletzungen und damit geringere Nachschmerzen auftreten. Auch der Substanzverlust an Zahnhalsmaterial hält sich in Grenzen. Einziger Nachteil dieser Methode: Es besteht ein hoher Materialeinsatz – und das macht die Geschichte natürlich entsprechend kostspielig. Ist mit all diesen konservativen Behandlungsformen der Parodontitis nicht beizukommen, bleibt letztendlich meist nur noch der Weg des operativen Eingriffs. Hierbei werden die Taschen aufgeschnitten, die Beläge entfernt und die Taschen schließlich wieder zugenäht. Eines ist in jedem Fall absolut klar: Als Parodontitis-Patient gehören Sie eigentlich zu den chronisch erkrankten Menschen – wenn das auch nicht offiziell anerkannt ist. Denn: Ohne eine sehr, sehr akribische eigene Zahnhygiene und einer regelmäßigen professionellen Unterstützung durch Ihren Zahnarzt werden Sie immer wieder Beschwerden haben, die sich im schlimmsten Fall als eine schwere andere Erkrankung zeigen können.

(Meldung vom 17.04.2009)

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