Bulimie und Zahnpflege I

Zahnpflege 3x am TagUnglaublich aber wahr: Circa drei Prozent der weiblichen Bevölkerung Deutschlands leidet unter Bulimie – der sogenannten Ess-Brech-Sucht. Bei dieser Erkrankung wechseln sich wahre Fressattacken mit anschließendem erzwungenen Erbrechen ab. Und genau diese Kombination – erst die Säure- beziehungsweise Süß-Attacke von den Lebensmitteln und anschließend die Säure-Attacke von dem mit Magensäure vermischten Essensbrei, der wieder hinausgewürgt wird – ist absolut fatal für das menschliche Gebiss. Denn all die Säuren und Süßen umschwemmen ja auch die Zähne.

Im Normalfall werden die Säuren aus Lebensmitteln (Essig, Fruchtsäfte, Obst, Süßigkeiten, etc.) nach einer Mahlzeit durch den Speichelfluss nach und nach wieder entschärft. Der Speichel enthält hierfür unter anderem wichtige Mineralstoffe, die beim Umspülen der Zähne an diese abgegeben werden. Je höher allerdings der Säure-Kontakt, desto länger dauert auch diese natürliche Remineralisierung. Im Falle der BulimikerInnen sind erste Säureschäden in der Regel an der Oberseite der Oberkieferzähne erkennbar. Meist zeigen sich diese ersten Schäden in einer Überempfindlichkeit bei heißen, kalten, süßen oder sauren Speisen. Es folgen Schädigungen der Schneidekanten der Front- und Eckzähne, die in Form von typischen Mulden und/oder Randzackenbildungen auftreten. Mit zunehmenden Jahren der Erkrankung kann Stück für Stück das komplette Gebiss betroffen sein. Im fortgeschrittenen Stadium kann es sogar zu erheblichen Verkürzungen der Schneidekanten kommen.

Durch die immensen Säureattacken wird der Zahnschmelz sehr schnell weich. Daher muss von einem direkten Einsatz der Zahnbürste nach dem Erbrechen in jedem Fall Abstand genommen werden (im Übrigen sollte man nach jedem Essen mit dem Zähneputzen mindestens eine halbe Stunde warten). Wesentlich hilfreicher ist ein kräftiges Ausspülen des Mundes mit einer neutralisierenden Flüssigkeit. In der Regel sind hier ganz normales Wasser (ohne Kohlensäure!) oder ein fluoridierendes Mundwasser das Mittel der Wahl. Wer noch ein klein wenig mehr für die Remineralisierung der Zähne tun möchte, gibt noch etwas Natriumhydrogencarbonat (bekannt als Kaisernatron, Speisenatron oder Backnatron; günstig erhältlich in jeder Backabteilung des Supermarktes) oder Basenpulver (davon gibt es mittlerweile zahlreiche auf dem Markt) hinzu. Und was Sie im Fall einer Bulimie-Erkrankung sonst noch Gutes für Ihre Zähne tun können, lesen Sie in Kürze wieder an dieser Stelle.
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Locello Redaktion, Antje Allner; Foto: freeimages.com

(Meldung vom 09.04.2014)

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