„Ihre Zähne sind in Ordnung – aber das Zahnfleisch muss raus“ – Parodontitis Teil 1

"Was eigentlich wie ein Witz klingen soll, ist in Deutschland mittlerweile die häufigste Ursache für den Zahnverlust – die Parodontitis (früher Parodontose genannt). Sie ist eine der häufigsten Infektionserkrankungen der Mundhöhle (zirca 75 Prozent der Deutschen über 35 Jahre leiden unter einer mittelschweren Parodontitis; zirca 18 Prozent der 65- bis 74-Jähringen leiden gar an einer schweren Form der Erkrankung). Bedingt wird sie in der Regel durch eine bakterielle Entzündung des Zahnfleisches (=Gingivitis) – in richtig schlimmen Fällen kann sogar der Kieferknochen in Mitleidenschaft gezogen werden. Allerdings müssen neben dem bakteriellen Befall noch weiterer Begleitumstände hinzukommen, um schließlich zur manifesten Parodontitis zu führen. Aber was passiert denn bei einer Parodontitis? Die feindlichen Bakterien und Co. setzen sich zunächst an der Zahnoberfläche fest. Kann die körpereigene Abwehr sie nicht unschädlich machen, entzündet sich irgendwann das Zahnfleisch. Es schwillt an, ist stark gerötet und blutet manchmal beim Zähneputzen oder bei etwas heftigeren Berührungen. Geht diese Entzündung weiter und befällt schließlich auch das Zahnbett, handelt es sich um die gefürchtete Parodontitis. Auch kann es sein, dass sich das Zahnfleisch zurückbildet. Dann entstehen die sogenannten Zahnfleischtaschen, in denen sich die hässlichen Bakterien noch viel, viel wohler fühlen – denn in diese Tiefen dringt unsere tägliche Zahnhygiene nur in den seltensten Fällen vor. Ist es erst einmal so weit gekommen, sind Tür und Tor für einen Befall der tieferen Gebiete – der Zahnwurzel oder sogar des Kieferknochens – geöffnet. Zunächst lockern sich die Zähne; bei Nichtbehandlung fallen sie letztendlich einfach aus. Aber keine Sorge: So weit muss es Dank fortschrittlicher Zahn(fleisch)behandlungen nicht kommen, wenn Sie einige Dinge beachten: - Prüfen Sie doch morgens vor dem Spiegel nicht nur den korrekten Sitz der Krawatte, sondern schauen Sie mal genauer auf Ihr Zahnfleisch. Alarmzeichen sind Rötungen, Schwellungen oder gar blutende, defekte Stellen. - Fordern Sie nicht nur Ihre Kleinen zum regelmäßigen Zähneputzen auf, sondern kontrollieren Sie Ihren eigenen Hygienestatus auf diesem Gebiet. Durch mangelnde Zahnhygiene verändert sich die Zusammensetzung der Bakterien im Mund; das kann dann eben auch zur Parodontitis führen. - Vermeiden Sie Stress, so gut es möglich ist – auch Stress ist ein Räuber fürs Immunsystem und macht uns anfällig für die herumziehenden Krankheiten. - Wie schaut´s denn mit Ihrem Gewicht aus? Fettzellen bilden spezielle Entzündungsstoffe, die unter anderem auch eine Parodontitis begünstigen können. Also: Bauen Sie Übergewicht ab. - Sind Sie Diabetiker? (bundesweit gibt es mittlerweile allein 300.000 1er-Diabetiker). Dann sollten Sie Ihr Zahnfleisch immer ganz genau im Blick haben. Durch die labile Stoffwechsellage der „Süßen“ entwickelt sich eine Parodontitis viel schneller als bei gesunden Menschen. Noch viele weitere Faktoren, wie zum Beispiel die genetische Disposition des Abwehrsystems, hormonelle Veränderungen in Wachstum, Schwangerschaft und Menopause oder auch der ph-Wert Ihres Speichels können den „Hang zur Parodontitis“ mitbestimmen. Und da im Alter ja bekanntlich alles etwas schlimmer wird, kann auch dieser Faktor eine gewisse Rolle spielen."

(Meldung vom 08.04.2009)

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