Was kommt mir da eigentlich in den Mund?

Gut aussehen muss es. Und halten soll es. Gesund wäre auch noch prima. Wir möchten Ihnen einfach einmal kurz vorstellen, welche Materialien Ihnen Ihr Zahnarzt so im Mundraum einsetzen kann. Natürlich schauen wir auch auf die Verträglichkeit, die Haltbarkeit und mögliche Risiken und Nebenwirkungen (zu denen Sie ja sonst stets Ihren Arzt oder Apotheker befragen sollten...).
Bioverträglichkeit ist das Wort der Zeit, geht es um Materialien, die uns vom Zahnarzt unseres Vertrauens im Mundraum eingesetzt werden.


Schick und haltbar – aber auch gesund? Diese Frage wird bei Materialien, die im Mund verwendet werden, immer häufiger gestellt. Denn schließlich kommen wir Tag für Tag mit einer Vielfalt unterschiedlicher Stoffe in Kontakt. „Gerade im Körper möchte man auf keinen Fall belastende oder gar schädliche Materialien haben“, erklärt Zahntechnikermeister Arndt-Frithjof Erwin von der Initiative proDente. Deshalb zählt bei den Dentalwerkstoffen neben Langlebigkeit und Ästhetik vor allem die Bioverträglichkeit.

„Der modernen Zahnmedizin stehen verschiedene, sehr hochwertige und bioverträgliche Materialien zur Verfügung“, so Erwin. Wie wichtig die gute Verträglichkeit ist, zeigt ein Blick auf die Haltbarkeit von Füllungen, Kronen und Brücken. Sie werden über zehn, 15 oder noch mehr Jahre zum festen Bestandteil des Körpers. Über die Mundschleimhaut gelangen die Inhaltsstoffe des Zahnersatzes in gelöster Form in den Organismus. Bei mangelnder Bioverträglichkeit könnten sie Allergien oder schlimmstenfalls Krankheiten auslösen. Deshalb sind bioverträgliche Werkstoffe in der Zahnmedizin von großer Bedeutung. „Ein Material ist dann bioverträglich, wenn es sich im Körper neutral verhält, also keine allergischen oder gar toxischen Reaktionen hervorruft“, erläutert Erwin. Im Mund müssen die verwendeten Werkstoffe besonders beständig sein: Sie müssen dem sauren Speichel trotzen, den Abrieb beim Kauen aushalten und dürfen sich auch nach Jahren nicht zersetzen (Korrosion).

Diese Materialien sind für die Verwendung im Mund gut geeignet und werden in der Zahnmedizin am häufigsten eingesetzt:

Komposite
Komposite sind ein Gemisch aus 30 bis 40 Prozent Kunststoff und anorganischen Füllstoffen wie Glas und Quarzteilchen. Sie werden in der modernen Zahnheilkunde seit mehr als zehn Jahren verwendet und eignen sich für die Reparatur kleinerer Schäden. Für Füllungen werden die zunächst weichen Komposite eingesetzt, die unter Einwirkung von UV-Licht im Mund aushärten. Dabei schrumpft das Material, weil sich die Kunststoffteilchen verketten und die übrigen Bestandteile so fest einbinden, dass keine Bewegung mehr möglich ist. Kompositfüllungen sind zahnfarben, fallen im Mund kaum auf und kommen deshalb im Front- sowie im Seitenzahnbereich zum Einsatz. Komposite sind im Allgemeinen gut verträglich, Allergien sind nur in Einzelfällen möglich. Die Füllungen halten im Schnitt vier bis neun Jahre.

Gold
Wenn bei Zahnersatz von Gold die Rede ist, handelt es sich um Gold-Legierungen mit Bestandteilen aus Silber, Platin oder anderen Metallen, denn reines Gold wäre viel zu weich. Besonders gut verträglich sind hochgoldhaltige Legierungen ohne Kupfer, Palladium, Gallium, Zink oder Cadmium. Eine harte Goldlegierung ist der am häufigsten eingesetzte Werkstoff für eine Inlayversorgung im Bereich der Seitenzähne. Gold lässt sich sehr gut verarbeiten, deshalb schließen die Füllungen gut ab, es kommt selten zu Karies am Übergang zwischen Zahnersatz und Zahn. Goldfüllungen sind sehr stabil und halten zehn bis 15 Jahre. Allergien kommen äußerst selten vor.

Keramik
Keramik ist der nichtmetallische Werkstoff mit der höchsten Bioverträglichkeit und bietet eine optimale Ästhetik. Das Material setzt sich aus Quarz, Feldspat, Kaolin und anderen Kristallen zusammen. Es ist zahnfarben und im Mund nahezu unsichtbar. Deshalb ist Keramik vor allem für den sichtbaren Zahnbereich geeignet, wo es höchste Ansprüche erfüllt. Das sehr harte und beständige Material ist für kleine und mittelgroße Schäden geeignet. Zahnersatz aus Keramik ist sehr aufwändig in der Herstellung und daher recht kostspielig. Eine Füllung aus Keramik hält durchschnittlich neun Jahre.

Titan
Titan ist der einzige Werkstoff aus Reinmetall und außerordentlich gut verträglich. Das Edelmetall reagiert nicht mit anderen Metallen, kann wegen seiner guten mechanischen und physikalischen Eigenschaften sehr passgenau verarbeitet werden und ist geschmacksneutral. Der Werkstoff ist sehr leicht und wird vor allem für Implantate eingesetzt. Über diese Stoffe hinaus werden noch weitere Materialien bei verschiedenen Indikationen im Mund verwendet, etwa Glas-Ionomer-Zemente, Kompomere – ein Gemisch aus Glas-Ionomer-Zement und Komposit – und Ormocer, ein Gemisch aus Kunststoff und Glas. Kontinuierlich kommen neue oder weiterentwickelte Werkstoffe auf den Markt, vor allem für Füllungen. Das Medizinproduktegesetz trägt dafür Sorge, dass nur solche Materialien tatsächlich in der Praxis angewendet werden, die gut verträglich und frei von Nebenwirkungen sind.

Locello Redaktion, Antje Allner; Foto: fotolia

(Meldung vom 04.03.2013)

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