Weisheitszähne und Wurzelbehandlung

Wurzelkanalbehandlung (Endodontie) eines ZahnsWer sie schon einmal hat durchführen lassen müssen, dem springt spontan das obligatorische „AUA“ aus dem Mund (dabei gibt es wahrlich Schlimmeres – glauben Sie es mir!). Kaum eine Behandlungsvariante beim Zahnarzt ist so im Verruf, wie die Wurzelkanalbehandlung. O.k. vielleicht schneidet die Wurzelspitzenresektion noch ein wenig negativer ab, kommt allerdings in der Praxis auch längst nicht so häufig vor.

Und ausgerechnet die Übernahme der immensen Kosten eben dieser Wurzelkanalbehandlung wird im Falle – sollte es einen Weisheitszahn getroffen haben - von den Gesetzlichen Krankenkassen in den meisten Fällen komplett und rigoros abgelehnt. Da stellt sich dem interessierten Laien doch mal ganz schnell die Frage: Was bitteschön macht denn nun aber die Weisheitszähne so anders, als die anderen Zähne des bleibenden Gebisses? Und wann kann ich denn vielleicht doch mit einer Übernahme der Kosten durch meine Krankenkasse rechnen? Mit Verlaub – auch wir mussten hier zunächst einmal kräftig recherchieren:

Grundsätzlich gehört die endodontische Behandlung – so heißt nämlich die Behandlung der Wurzelkanäle auf „Zahnarzt“ – der Weisheitszähne nicht zur vertragszahnärztlichen Versorgung. Nur in seltenen Ausnahmefällen – nämlich der medizinischen Indikation - kann eine Bezuschussung dieser Behandlung erfolgen. Eine solche medizinische Indikation wäre beispielsweise, wenn der behandlungsbedürftige Weisheitszahn zur Aufnahme eines späteren Zahnersatzes unbedingt benötigt wird. Allerdings muss auch in diesem Fall der Zahnarzt den glasklaren Nachweis erbringen, dass eine korrekte Wurzelbehandlung auch wirklich möglich ist – also nicht etwa anatomische Gründe dies eigentlich von vornherein nahezu unmöglich machen.

Korrekt bedeutet in diesem Behandlungsfall, dass es dem Zahnarzt möglich ist, die Entzündung der Wurzelkanäle der Backenzähne (das können nur drei, in der Regel vier, manchmal aber auch fünf oder mehr Wurzelkanäle sein) komplett entfernen zu können. Leider handelt es sich in jedem Fall – ob nun Weisheitszahn oder „ganz normaler“ Backenzahn – um eine überaus zeitintensive Behandlung. Daher weigern sich auch viele Zahnärzte zu Recht, eine Wurzelkanalbehandlung für die Kassengebühr durchzuführen und treffen mit ihren Patienten privatärztliche Vereinbarungen, die aus eigener Tasche zu zahlen sind.

Kurzum: Eine endodontische Behandlung macht bestimmt in den meisten Fällen absolut Sinn – schließlich möchten wir alle gern unseren kompletten Zähne im Mund behalten. Allerdings sollte man in jedem Fall vor der Behandlung zum einen ausführlich mit dem Behandler, zum anderen ebenso ausführlich mit der Krankenkasse sprechen, damit es später kein teures Erwachen gibt.

Und im Fall des fast absolut niente, nullo, nix... von der Kasse bezuschussten Wurzelkanal-Behandlung eines Weisheitszahnes könnte gar der Weg einer zahnärztlichen Zweitmeinung Klarheit ins Dunkel bringen.

Locello redaktion, Antje Allner; Foto: fotolia

(Meldung vom 07.01.2013)

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