Praxisgebühr - Ohne Moos endlich wieder was los

Ab Januar ist es endlich soweit: Sitzt man bereits auf dem Stuhle des Zahnarztes und es handelt sich nicht nur um die ganz normale Vorsorgeuntersuchung (die ja mittlerweile bestimmt fast alle zweimal jährlich durchführen lassen!), sondern gibt es leider, leider etwas zu reparieren, muss man ab sofort nicht gleich wieder vom Stuhl aufspringen und nach Hause fahren, wenn man – wie so gern – den Geldbeutel hat liegen lassen.

Nein! Endlich, endlich ist sie abgeschafft – die für alle (nicht nur für den Patienten, sondern vielmehr auch für das Praxispersonal) ach so lästige Praxisgebühr von 10 Euro pro Quartal. Und das nicht nur, wenn Sie Ihren Zahnarzt des Vertrauens aufsuchen, sondern auch wenn es Ihr höchstpersönlicher medizinischer Berater in Form des Haus- oder sonstigen Arztes ist. Weg mit der Praxisgebühr – der FDP sei Dank.

Nach satten acht Jahren Praxisgebühr kann man sich da schon mal die Frage stellen „Wo kam die überhaupt her und warum wurde sie überhaupt eingeführt?“ Schauen wir einmal zurück:

Originäres Ziel der Praxisgebühr war ganz klar die Verminderung der Ausgaben der Gesetzlichen Krankenkassen. Schließlich stiegen Jahr für Jahr die Ausgaben im Gesundheitssystem exorbitant. Das Bundesgesundheitsministerium erhoffte sich zum Einführungszeitpunkt der Praxisgebühr zusätzliche Einnahmen von über 2,5 Millionen Euro jährlich. Außerdem sollte der kassenärztlich Versicherte in seiner Verantwortung für die eigene Gesundheit gestärkt werden - schlichtweg nicht wegen jedem Schrämmchen gleich zum Arzt rennen. Ein weiteres Ziel kennen wir heute alle unter dem sogenannten „Hausarztmodell“: Ein Patient sollte zunächst seinen Hausarzt konsultieren und dieser sollte dann erst die Entscheidung darüber treffen, ob der Besuch eines Facharztes erforderlich sei. Viel zu viele Versicherte hatten sich in den Jahren zuvor schlichtweg direkt an einen Facharzt ihrer Wahl gewandt – der Hausarzt blieb uninformiert (und ohne Einnahmen).

Bleibt noch die Frage, ob sich der ganze Aufwand denn nun wirklich gelohnt hat:
Viele Fachleute sprechen hier von einem eindeutigen NEIN. Anfänglich gingen die Patientenzahlen (vor allem bei Fachärzten wie Haut- und Augenärzten, Orthopäden, Gynäkologen etc.) nachweislich zurück. Allerdings wurde nicht eruiert, ob es eventuell daran lag, dass sozial schlechter gestellte Menschen sich den Arztbesuch schlichtweg nicht mehr leisten konnten. In jedem Fall kam es zum - vom Gesetzgeber durchaus gewollten – Anstieg der hausärztlichen Überweisungen zu einem Facharzt. Dieses Ziel konnte durch die Praxisgebühr erreicht werden. Aber fragen Sie doch bei Ihrem nächsten Arzt- oder Zahnarztbesuch Ihren Behandler des Vertrauens einmal nach seiner Meinung zu dieser – unserer Meinung nach für alle Beteiligten – unsäglichen Praxisgebühr, die es dennoch schaffte, acht Jahre unseres Lebens negativ zu beeinflussen. Wollen wir der FDP unser aller Dank entgegenbringen und hoffen, dass sich aufgrund mangelnder Einnahmen der Gesetzlichen Krankenversicherungen jetzt nicht gleich wieder schlaue Köpfe zusammenhocken und sich neue Modelle zu „Kassengebühren“ einfallen lassen. Aber zur Not kann ja auch einfach der Beitragssatz wieder einmal angepasst werden...

Locello Redaktion, Antje Allner; Foto: Claudia Hautumm / pixelio.de

(Meldung vom 07.11.2012)

Weitere Meldungen der Zahnmedizin:
Was hat Rheuma mit Parodontitis zu tun?
Jedes Kind kostet einen Zahn ...
Geschichte: Wer kümmerte sich um die Zähne, bevor es Zahnärzte gab?
Älter werden - Hormone beeinflussen auch die Zahngesundheit
An einem Zahn hängt ein ganzer Mensch
Parodontits-Test via App
Mondkalender 2012 für Zahnstein entfernen oder professionelle Zahnreinigung
Mondkalender 2012 – Wann geht man am besten zum Zahnarzt?
Braucht auch Ihr Kind eine Zahnspange?
Spurensuche – was Zähne alles erzählen können...