Was hat Rheuma mit Parodontitis zu tun?

Eine manifeste Parodontitis (Erkrankung des Zahnhalteapparates) stellt für jeden Patienten eine echte Herausforderung dar: Perfektionierung der Mund- und Zahnhygiene, wiederholte Kontrollen beim Zahnarzt, zusätzliche Sitzungen für die professionelle Zahnreinigung etc. Schließlich kann eine unbehandelte Parodontitis nicht nur zu Zahnausfall, sondern auch zu extremen Gewebe- und schließlich sogar Knochenverlusten im Kiefer führen.

Durch die Komplexheit dieser Erkrankung ist es nicht verwunderlich, dass sich in den letzten Jahren sehr viele wissenschaftliche Untersuchungen intensiv mit dem Thema Parodontitis befasst haben und auch weiterhin daran forschen werden. Neueren Studien zufolge ist demnach nahezu sicher, dass auch zwischen einer Rheuma-Erkrankung und einer Parodontitis ein enger Zusammenhang besteht.

So sanken nach einer gründlichen Parodontitis-Behandlung mit Tiefenreinigung der Zahnfleischtaschen an der Uniklinik Pittsburgh die Entzündungswerte im Blut von 40 rheumatischen Probanten überaus anschaulich. Außerdem ließen vor allem die typischen rheumatischen Beschwerden - wie Schwellung und morgendliche Steifheit der Gelenke - bei allen spürbar nach.

Eine weitere Studie der New Yorker University ergab, dass sich in der Mund- und Darmflora von Rheumatikern grundsätzlich andere Bakterienarten tummeln, als in der von gesunden Menschen.Vor allem das vermehrte Aufkommen der Prevotella-Bakterien ist bei dieser Patientengruppe wohl möglich ausschlaggebend für eine verstärkte Entzündungsneigung. Daher neigen wohl auch schon sehr junge Rheumatiker häufig an Zahnbettentzündungen.

Fundierte Kenntnisse dieser sehr komplexen Zusammenhänge gibt es zwar momentan noch nicht wirklich. Eines steht aber in jedem Fall fest: Ein an Rheuma oder einer Erkrankung aus dem rheumatischen Formenkreis (Arthrosen, Polyarthritis, Kollagenosen, Spondylitits und vieles mehr) erkrankter Mensch sollte in jedem Fall auf eine optimale Mund- und Zahnhygiene bedacht sein. Außerdem sollte der Zahnarzt von der Erkrankung wissen. Dieser kann mit neuesten Methoden beispielsweise regelmäßig ein Parodontal-Screening durchführen, dessen Kosten sogar alle zwei Jahre von den gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden.

Locello Redaktion, Antje Allner; Foto: fotolia

(Meldung vom 28.09.2012)

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