Jedes Kind kostet einen Zahn ...

... besagt ein altes Sprichwort. Dank hervorragender Kenntnisse medizinischer Zusammenhänge und perfekter technischer und medizinischer Ausstattung der Zahnärzte, trifft das in der heutigen Zeit nun gottlob nicht mehr - oder nur noch in den seltensten Fällen - zu. Wieder einmal sind es die Hormone, die den Schwangeren - wie auch den Damen in den Wechseljahren - die Sache mit der Mund- und Zahnhygiene nicht unbedingt leichter machen.

In der Schwangerschaft sind nicht nur sämtliche Organe, sondern vor allem auch die Schleimhäute im Körper wesentlich besser durchblutet. Außerdem lockert sich das komplette Bindegewebe auf. Und genau dies trifft dann eben auch auf die Mundschleimhäute zu, die durch die Weichheit durchlässiger werden und damit auch Bakterien und deren Stoffwechselendprodukten Tür und Tor öffnen. Als Folge kommt es häufiger zu Zahnfleischblutungen und -entzündungen.

Nun wissen wir ja mittlerweile alle, dass eine solche Gingivitis (Zahnfleischentzündung) im Nichtpflege- und Behandlungsfall sich gern einmal zu einer manifesten Parodontitis ausweiten und dann sogar schädigende Folgen für den Zahnknochen haben kann. Daher sind nicht nur die regelmäßigen Besuche bei der Gynäkologin, sondern vor allem auch die regelmäßigen Kontrollen beim Zahnarzt während der Schwangerschaft extrem wichtig.

Sollten in der Tat größerer Eingriffe erforderlich sein, wird der Zahnarzt diese in jedem Fall erst ab dem vierten Schwangerschaftmonat oder sogar erst nach der Geburt vornehmen. Vorbeugende Maßnahmen allerdings sind unbedenklich während der kompletten "Zeit zu zweit" ohne Risiken möglich.

Natürlich ist für die werdende Mama eine akribische und regelmäßige Zahn- und Mundhygiene das A und O. Reinigung der Zahnzwischenräume mit "Tannenbäumchen" (Interdentalbürstchen) oder Zahnseide gehört da genau so dazu, wie die Reinigung der Zunge mit speziellen Zungenbürsten.

Leider vernachlässigen viele Schwangere darob des gesteigerten Brechreizes ihre Mundhygiene gerade in dieser Zeit. Sie sollten unbedingt NICHT nüchtern ans Werk gehen - dann hält sich der Brechreiz eher in Grenzen. Außerdem kann ein Zugriff auf weichere und kleinere Zahnbürsten hilfreich sein.

Sollten Sie in der Schwangerschaft häufig Probleme mit Zahnfleischentzündungen oder -bluten, verstärktem Brechreiz oder ähnlichem haben, wenden Sie sich doch einfach auch einmal vertrauensvoll an Ihren Zahnarzt. Der hat sicherlich den einen oder anderen Tipp auf Lager, der Ihnen als Schwangere zu einer zahngesunden Zeit zu zweit verhilft.

Locello Redaktion, Antje Allner; Foto: fotolia

(Meldung vom 21.08.2012)

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