Geschichte: Wer kümmerte sich um die Zähne, bevor es Zahnärzte gab?

Zahnarztbesuche sind ja immer so eine Sache: Hat man keine Schmerzen, mag alles gut gehen. Ist allerdings erst einmal dieser unsägliche Schmerz vorhanden, wird es oftmals wie der altbekannte Gang nach Canossa (durch den 1076 der deutsche König Heinrich IV. einen Bann des Papstes lösen konnte, indem er im Büßerhemd vor das Tor der norditalienischen Burg Canossa trat). Allerdings leben wir ja im 20. Jahrhundert und unsere modernen Zahnarztpraxen haben mittlerweile Mittel und Wege, selbst im schlimmsten Schmerzfall die Behandlung meist relativ schonend für den Patienten durchführen zu können. Doch wie war das denn, bevor ausgebildete Zahnärzte, technische Gerätschaften, Betäubungs- und Schmerzmittel in Hülle und Fülle zur Verfügung standen?

In der Tat wurden marode, schmerzende Zähne meist von Apothekern, Frisören, sogenannten Badern oder aber gar von Goldschmieden gezogen - Zähne bohren oder reparieren war nicht möglich. Zur Betäubung wurde dem Patienten vorab nicht selten Hochprozentiges eingeflöst, schnell der Zahn gezogen und dem häufig stark Betrunkenen anschließend eine Belohnungs-Zigarre gegönnt, wenn er dann auch schön stillgehalten hatte. Unglaublich aber wahr!

Im 18. Jahrhundert gab es zwar schon zahlreiche wandernde "Zahnärzte" (klar - ohne spezielle Ausbildung) - einen echten Schub in Sachen Zahnmedizin gab es allerdings so wirklich erst im 19. Jahrhundert. In dieser Zeit entstanden die ersten Schulen für Zahnärzte, wie zum Beispiel 1855 auch in Berlin.

Parallel dazu wurden spezielle Zahnarzt-Instrumente (1871 beispielsweise der erste Tretbohrer durch James Beall Morrison) sowie spezielle Zahnarztstühle - die übrigens den heutigen Modellen schon sehr nahe kamen - entwickelt. Allerdings ging die Entwicklung in den deutschen Provinzen nicht so rasant vonstatten. Noch bis in die 30er Jahre unseres Jahrhunderts übernahmen hier zahlreiche Heiler oder gar Künstler ohne jegliche zahnärztliche Ausbildung die Aufgaben eines Zahnarztes.

Bleibt nur zu sagen: Gottlob haben wir heute gut ausgebildete Fachleute, die zudem mit sagenhaften technischen und medizinischen Mitteln ausgestattet sind. Da geht man ja fast schon gern zum Zahnarzt, oder?

Locello Redaktion, Antje Allner; Foto: fotolia

(Meldung vom 27.07.2012)

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