Doch wieder Amalgam kontra Kunststoff?

„Wer viel Fisch isst und zudem raucht, nimmt wesentlich mehr Quecksilber auf, als Amalgamfüllungen abgeben“, sagt Wolfgang Buchalla, wissenschaftlicher Leiter der Klinik für Präventivmedizin, Parodontologie und Kardiologie am Zentrum für Zahnmedizin der Uni Zürich. Und der sollte es doch eigentlich wissen, oder?

Amalgam war als Füllmaterial für kariös in Mitleidenschaft gezogene Zähne sehr lange Zeit der absolute Renner. Gut zu verarbeiten, lang haltbar und dabei für jedermann bezahlbar. Heute kommt die Metallmischung aus Silber, Zinn, Kupfer und 50 Prozent Quecksilber kaum noch jemanden in den Zahn. Schuld daran ist die – wenn auch minimale - Abgabe des Quecksilbers an den Körper. Es steht im Verdacht, Grund vieler gesundheitlicher Auffälligkeiten oder gar Erkrankungen zu sein.

Der Fachmann Buchalla sieht das etwas anders. Seiner Meinung nach ist Amalgam mittlerweile wissenschaftlich sehr gut untersucht und daher in den meisten Fällen gesundheitlich unbedenklich. Auch wenn die Amalgam-Füllung stets und ständig Quecksilber diffundiert, liegt die abgegebene Menge weit unter der Belastung durch die uns umgebende Umwelt, durch das Rauchen von Tabak oder durch das Essen von Meerfisch. Zudem wird das aufgenommene Quecksilber zu 90 Prozent vollkommen unverändert wieder ausgeschieden. Die WHO (Weltgesundheits-Organisation) hat mittlerweile sogar eine entsprechende Entwarnung für Amalgam-Füllungen herausgegeben.

Allerdings sind bei unseren skandinavischen Nachbarn Amalgam-Füllungen beispielsweise absolut verboten. In Großbritannien und den USA kommen sie dagegen weiterhin am häufigsten für den Zahnverschluss in den Mund. Und bei uns hier in Deutschland sind es nach wie vor die einzigen Füllungen, die komplett von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden. Dennoch kommen
deutschlandweit immer weniger Menschen die Quecksilber-Varianten in den Mund.

Es bleibt also eigentlich alles beim Alten: Wer noch Amalgam-Füllungen im Mund hat, sollte diese behalten, bis sie porös und damit ausbesserungswürdig sind. Wer sich für eine neue Füllung entscheiden muss, sollte sich überlegen, ob es in Zeiten des Für und Wider in Sachen Amalgam die rechte Zeit ist, weiterhin das quecksilberhaltige Material in den Zahn füllen zu lassen oder ob es nicht doch besser wäre, auf die mittlerweile auch sehr guten Alternativen Komposit oder Keramik auszuweichen.
Denn die Belastung der Umwelt haben wir ja stets und ständig noch obendrauf. Allerdings sollte er/sie sich im selben Zug überlegen, wie häufig künftig Meer-Fisch auf den Tisch kommt. Und viel Besorgnis erregender: das Rauchen...

Locello Redaktion, Antje Allner; Foto: fotolia

(Meldung vom 27.07.2011)

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