Unsere Zunge – der Geschmacks-Weltmeister

Unsere ZungeStellen Sie sich mal vor, Sie wollen ein neues Auto kaufen. Voraussetzungen für diesen Neuwagen soll zum einen sein, dass er am besten Benzin produziert, statt solches zu verbrauchen. Zum anderen, dass er selbstverständlich maximale Leistung bringt und das am besten mit nur 34 PS (wie früher beispielsweise der R4 – allerdings ohne eine wirklich knackige Leistungsentfaltung). Klappt also wahrscheinlich in dieser Kombination eher weniger.

Was allerdings genau nach diesem Motto wirklich top funktioniert, ist unsere Zunge: Mit nur 25 Geschmacks-Rezeptoren kann dieses unglaubliche menschliche Organ die unvorstellbare Zahl von Zehntausenden von Bitterstoffen wahrnehmen.

Genau diese Wahnsinnsleistung war für das Deutsche Institut für Ernährungsforschung (DifE) Grund genug, die Zunge einmal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Der Geschmackssinn des Menschen für Bitterstoffe ist angeboren. Er sollte von je her vor dem Verzehr giftiger Nahrung schützen. Das merkt man beispielsweise daran, dass Babies alles Bittere in Nullkommanix aus dem Mund verbannen. Die Rezeptoren für Bitteres finden sich übrigens vor allem auf der Zunge, aber auch im Gaumen, im Rachen sowie im Kehlkopf.

Die Wissenschaftler des DifE untersuchten mit einer eigens hierfür entwickelten künstlichen Zunge mit 25 Rezeptoren (eben wie bei der echten Zunge), wie diese auf über 100 natürliche oder künstliche Bitterstoffe reagiert.

Das Ergebnis: Die Rezeptoren handeln im klassischen Sinne der „Facharbeit“. Die einen sind für die einfachen Dinge des Bitterstoff-Lebens – also quasi die Facharbeiter. Die anderen sind für die komplexeren Aufgaben – somit quasi die Ingenieure. Allerdings ist für die Ergebnisse stets eine enge „Teamarbeit“ unter den Rezeptorentypen erforderlich: Mindestens drei der Typen waren erforderlich, um beispielsweise die Hälfte der getesteten Substanzen wahrnehmen zu können.

Und warum sollte Sie das Ganze interessieren? Ganz klar: Sie sollten nicht nur Ihren Zähnen und dem Zahnfleisch ausreichend Pflege zukommen lassen. Auch unsere sensible Zunge schreit förmlich nach Zuwendung.

Schauen Sie doch einmal in den Drogerie-Regalen nach Pflegebürsten für die Zunge. Oder befragen Sie einfach Ihren Zahnarzt zum Thema Zungen-Hygiene. Der wird Ihnen garantiert den einen oder anderen heißen Tipp geben können, wie Sie Ihre Bitterstoff-Superspürnase Zunge mal so richtig verwöhnen können.

Sollten Sie das als übertrieben empfinden, denken Sie einfach einmal daran, wie es wäre, wenn Sie nichts mehr schmecken könnten: Pappe, Pappe, Pappe... Lassen Sie uns lieber unsere Zunge etwas pflegen – dann klappt das auch mit dem leckeren Geschmack...

(Meldung vom 07.12.2010)

Weitere Meldungen der Zahnmedizin:
Kleine Kräuterkunde für die Mundhygiene
Zahn-fachchinesisch übersetzt
... wieder mal die Raucher - Zahnausfall vorprogrammiert?
Rissige Mundwinkel richtig behandeln
Karies: Unwissenheit der Eltern häufigste Ursache
Parodontitis und Rheuma – neue Erkenntnisse
Heillose Zahnmedizin?
Tag des Kusses
Familien-Zahnbürste: Das absolute „NoGo“
Mundgesund trotz Handicap und hohem Alter