Parodontitis und Rheuma – neue Erkenntnisse

Entzündungen sind sowohl bei der Parodontitis (der entzündlichen Zahnfleischerkrankung – früher Parodontose) als auch bei der Rheumatoiden Arthritis (RA) der Grund für Schmerzen. Bei der Parodontitis ist der Zahnhalteapparat betroffen, bei der RA sind es – neben anderen Organsystemen - in erster Linie die Gelenke, die schmerzen. Wissenschaftler der Berliner Charité sind seit einiger Zeit auf der Suche nach Gemeinsamkeiten bzw. ganzheitlichen Therapieformen.

Bei der Parodontitis bedingt eine bakterielle Infektion, die durch die Bildung eines mikrobiellen Biofilms auf der Zahnoberfläche entsteht, den schleichenden Abbau des Zahnfleisches. Ohne eine akribische Zahnpflege – sowohl daheim als auch professionell beim Zahnarzt – kommt es früher oder später unweigerlich zum Zahnverlust.

Bei der RA wird infolge der Entzündung sowohl Knochen- als auch Knorpelgewebe geschädigt und ebenfalls früher oder später sogar abgebaut.

Bei beiden Erkrankungen spielt neben Alter und Geschlecht sowie der Lebensführung (Rauchen) und anderen auftretenden Infektionen vor allem die genetische Disposition eine gravierende Rolle.

Nun fanden die Berliner Forscher heraus, dass ein bei Parodontitispatienten vermehrt auftretendes Bakterieenzym sich direkt auch auf eine beginnende oder bestehende RA auswirkt. Als Rückschluss bleibt, dass Gewebeschädigungen bei RA-Patienten auch durch Parodontitis-Bakterien verursacht werden können.

Als Beweis ihrer These konnten die Wissenschaftler zeigen, dass eine nicht-chirurgische Behandlung des Zahnfleisches von RA-Patienten inklusive ausführlicher Pflegeanleitung für die Pflege daheim sich positiv auf die RA-Entwicklung auswirkte. Die Krankheitsaktivität dieser Patienten war wesentlich geringer ausgeprägt, als bei RA-Patienten ohne Parodontitis-Behandlung und entsprechende Hygiene-Unterweisungen.

Diese neuen Erkenntnisse zeigen einmal mehr, dass eine interdisziplinäre Zusammenarbeit möglichst viele Fachrichtungen und die ganzheitliche Sicht auf Erkrankungen, wie wir es eher aus der Homöopathie kennen, künftig eine noch wichtigere Rolle auf dem medizinischen Sektor spielen werden und sollten. Als Patient sind Sie ein ganz wichtiger Teil dieser Zusammenarbeit.

Fragen Sie Ihren Zahnarzt, Arzt oder Heilpraktiker nach bekannten Zusammenhängen. Vielleicht informieren Sie sich sogar schon vor dem Praxisbesuch im Internet über eventuelle Zusammenhänge. Sollten dann fachliche Fragen auftreten, haben Sie anschließend in der Praxis in der Regel gleich einen kompetenten Berater.

Locello Redaktion, Antje Allner; Foto: fofotlia

(Meldung vom 28.09.2010)

Weitere Meldungen der Zahnmedizin:
Heillose Zahnmedizin?
Tag des Kusses
Familien-Zahnbürste: Das absolute „NoGo“
Mundgesund trotz Handicap und hohem Alter
Sonic-Unterstützung für die Handzahnbürste
Zahnbürste: Oszillierend oder Ultraschall?
Bleaching: Risiken und Nebenwirkungen
Bleaching: Profi oder Heimarbeit?
Bleaching: Methoden
Xylit, wieder mal in aller Munde!