Frauen haben häufiger Karies

Die Volkskrankheit Karies kann eigentlich getrost schon als Seuche deklariert werden: Über 90 Prozent der Bevölkerung leiden an ihr. Tendenz leider – trotz ständiger Neuerungen in Sachen Pflege und Zahnmedizin – nach wie vor steigend. Dabei erkranken Frauen – trotz nachweislich bessere Zahnpflege – öfter an Karies, als die männlichen Vertreter der Spezies Mensch.

Das viel zu reichhaltige Nahrungsangebot in den Industrieländern bedingt neben einigen anderen Gründen stets und ständig steigende Zahlen von Karieserkrankungen. Bei den alten Römern kannte man Karies gerade mal bei 30 Prozent der Bevölkerung – heute sind es über 90.

Dass allerdings die wesentlich akribischer Zahn pflegenden Frauen hiervon mehr betroffen sind, hat seine Gründe. Wie beim Körperfettanteil haben Frauen im Vergleich zu den Männern schon genetisch bedingt einen ganz klaren Nachteil in Sachen Karies-Entstehung. Unter anderem produzieren Sie beispielsweise wesentlich weniger Speichel, als die männlichen Wesen. Speichel ist aber nachweislich extrem wichtig, um Nahrungsreste aus den Zahnzwischenräumen zu spülen. Außerdem wirken seine Inhaltsstoffe remineralisierend auf Zähne und Zahnfleisch.

Eine weitere Extrembelastung für das Gebiss stellen Schwangerschaften dar: Häufiges Erbrechen bei schwangerschaftsbedingter Übelkeit ist die Säureattacke schlechthin. Das in der Schwangerschaft hormonell bedingt wesentlich stärker durchblutete Zahnfleisch neigt schneller zu Entzündungen. Tja – und Entzündungen sind natürlich ein ganz wunderbarer Pool für die zahlreich im Mundraum existierenden Bakterien. Diese vermehren sich nicht nur rasant, sondern sind außerdem die Übeltäter für Karies.

Auch die wohlbekannten Heißhunger-Attacken – oft auf Süßes - in der „Zeit zu zweit“ tragen ihren Beitrag zur Bakterienvermehrung und damit ebenfalls wieder zum Karies bei. Zur Säure-Eindämmung empfiehlt sich in dieser Zeit ein häufiges, kräftiges Ausspülen des Mundes mit purem Wasser. Direktes Zähneputzen ist nach dem Erbrechen oder dem „Süßangriff“ eher kontraproduktiv. Der Zahnschmelz wird nämlich durch die Säure aufgeraut und würde unter einer Putzattacke nur noch mehr leiden. Frühestens eine halbe Stunde bis Stunde nach dem Ereignis darf dann aber ruhigen Gewissens der schlechte Geschmack aus dem Mund geputzt werden.

Da das Unken um die genetischen Nachteile von uns Frauen bekanntlich auch nichts bringt, bleibt einfach nur eins: Putzen, Putzen, Putzen. Und natürlich die möglichst zweimal pro Jahr in Anspruch genommene Vorsorge-Untersuchung beim Zahnarzt. Denn: Je früher eine beginnende Karies vom Fachmann entdeckt wird, je geringer ist der Verlust an gesunder Zahnsubstanz.


Locello Redaktion, Antje Allner; Foto: fotolia

(Meldung vom 02.06.2010)

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