Genforschung: Zahnentwicklung ist erblich bedingt

„Das Erbe Deiner Eltern sei Dir gewiss“ – so heißt es doch immer, wenn der eine Nachwuchs sich eher in Richtung Opa Paul, der andere sich tendenziell eher Richtung Oma Paula entwickelt. Tja – und nun haben findige Forscher herausgefunden, dass einige dieser vererbten Gene auch maßgeblich für die Entwicklung des Gebisses verantwortlich sind.

Londoner Forscher fanden vor Kurzem heraus, dass die Zahnentwicklung in den ersten Lebensjahren in erster Linie durch eine Gruppe von fünf Genen beeinflusst wird. Und genau diese Gene sind ebenfalls maßgeblich verantwortlich für die Ausbildung des Gebisses, der Ohren, des Herzens sowie der Finger und Zehen.

Leider ist es nicht selten der Fall, dass Gene beschädigt sind und damit die Entwicklung der betroffenen Körperteile – hier im Besonderen der Zähne – eine Reihe von Problemen bereitet. Mindestens bei einem Zehntel aller Menschen treten eben diese Probleme bei der Ausbildung der 32 Zähne des menschlichen Gebisses auf. Daher forschten die englischen und finnischen Fachleute mal etwas genauer auf diesem Gebiet.

Sie fanden heraus, dass allein der Zeitpunkt der ersten Zahnung schon zu 70 Prozent erblich bedingt ist. Bestanden bestimmte genetische Varianten, so zahnten die betroffenen Babies wesentlich später, als ihre gleich alten Kollegen.

Ein Blick auf die möglichen Folgen dieser genetischen Defekte brachte hervor, dass etwa die Wahrscheinlichkeit einer benötigten kieferorthopädischen Behandlung im Alter von 30 Jahren um bis zu 35 Prozent steigen kann. Wesentlich fataler noch: Vier dieser „Zahngene“ stehen mittlerweile im Verdacht, im Falle eines Gen-Defektes Krebs auszulösen.

Die Forscher erhoffen sich durch diese neuen Erkenntnisse zum einen vor allem Verbesserungen im Bereich der zahnärztlichen Vorsorge. Zum anderen haben sie die Hoffnung, etwas mehr Informationen im Hinblick auf die Entwicklung des menschlichen Fötus und der daran gekoppelten Entstehung chronischer Krankheiten zu erhalten.

Das Erbe unserer Väter und Mütter ist uns dann zwar nach wie vor gewiss. Mehr Wissen über die genetischen Vorgänge kann aber bestimmt in vielerlei Hinsicht Fortschritte bringen.

Locello Redaktion, Antje Allner; Foto: Fotolia

(Meldung vom 19.05.2010)

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