Zahnschmerzen in der Steinzeit

Stellen Sie sich mal vor, Sie haben fürchterliche Zahnschmerzen. Das ist schon ziemlich schlimm. Nun stellen Sie sich noch dazu vor, Sie seien ein „Homo erectus“ (aus dem Lateinischen für ´aufrechter Mensch´) und Sie leben also etwa 9000 Jahren vor unserer Zeit. Au weia – werden Sie denken – das wird noch mehr Schmerzen geben. Oder?

Also dass die Zahnbehandlungen vor 9000 Jahren bestimmt sehr schmerzhaft waren, davon können Sie ausgehen. Denn damals gab es maximal den „Knockout“ per Faust oder Keule – keine Spritze, keine Narkose. Vielleicht hatte man Glück und es gab gerade etwas überreifes Obst, dessen Genuss aufgrund der Gärung ein wenig alkoholisierte und damit die Sinne benebelte. Aber ganz sicher war das die große Ausnahme.

Keine Ausnahme allerdings waren auch schon zu damaliger Zeit die Zahnbehandlungen. Dies fanden Forscher jetzt bei Ausgrabungen in einem jungsteinzeitlichen Gräberfeld im heutigen Pakistan heraus. Und das Erstaunliche: Die Behandlungen erfolgten scheinbar mit für damalige Verhältnisse immenser Präzision. Die Archäologen fanden zahlreiche Zahnkronen mit Bohrlöchern, die in jedem Fall am „lebenden Objekt“ vorgenommen sein müssen. Die Fachleute vermuten, das das Bohren per Steinbohrer mit Feuersteinspitzen erfolgte. Eindeutig ersichtlich ist, dass die damaligen Zahnbehandler mit diesen Bohrern erstaunlich feine und saubere Bohrungen vornehmen konnten.

Da an einigen der gefundenen Kronen sogar noch Zahnkaries nachgewiesen werden konnte und sich die Bohrlöcher zudem ausschließlich in den hinten sitzenden Backenzähnen befanden, schließen die Archäologen einen rein kosmetischen Behandlungsgrund aus.

Wenn Sie also mal wieder heftiges Zahnweh plagt, denken Sie einfach kurz an die „aufrechten Menschen“ vor 9000 Jahren. Seien Sie es gewiss: Die Schmerzen werden schlagartig nur noch halb so schlimm sein, wenn Sie die Gewissheit haben, dass Sie jetzt in die moderne Zahnarztpraxis um die Ecke gehen können, statt sich zum Steinzeit-Zahnarzt drei Höhlen weiter begeben zu müssen.

Locello Redaktion, Antje Allner; Foto: Fotolia

(Meldung vom 17.05.2010)

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