Die Schnuller-Geschichte

Vielleicht haben Sie die Schnuller-Geschichte des wohl nahezu allen bekannten Herrn Mayer-Vorfelder auch gelesen? Vor zwei Jahren äußerte er Folgendes in der Zeit: „Im Alter von drei Jahren habe ich meinen Schnuller in den Neckar geworfen. Abends weinte ich bittere Tränen...“ Komisch...

Was an der Geschichte komisch ist? Herr Mayer-Vorfelder wurde 1933 geboren – der erste wirkliche Schnuller kam allerdings erst im August 1949 auf den Markt. Der Beruhigungssauger - hinlänglich auch als Schnuller oder Nuki (für natürlich und kiefergerecht) bekannt - hatte nämlich letztes Jahr seinen 60zigsten Geburtstag (wir berichteten). Ein Grund mehr, einmal einen Blick auf die Entwicklung des Schnullers zu werfen.

Schon vor dem - ergonomisch der weiblichen Brustwarze nachempfundenen - Silikon- oder Latex-Sauger, der 1949 aufgrund von Studien der deutschen Zahn- und Kiefermediziner Dr. med. dent. Adolf Müller und Prof. Dr. Dr. Wilhelm Balters entwickelt wurde, gab es so etwas wie Beruhigungssauger. Die Vorgänger waren unhandliche Bollen aus viel zu hartem Kautschuk, der noch dazu meist mit gesundheitsschädlichen (damals allerdings noch nicht bekannt!) Weichmachern behandelt wurde.

Auf Bildern des Berliner Malers Heinrich Zille (Simplicissimus) kann man die ebenfalls häufig zum Einsatz gekommenen Leinen-Säckchen in Babygesichtern erspähen. Sie waren mit stark gesüßtem Zwiebackbrei gefüllt und brachten daher die Kleinen zur Entzückung und beruhigten immens. Allerdings rutschten sie häufig gefährlich tief in den Hals – Erstickungsgefahr war also nicht unbedingt ausgeschlossen. Von dem gesüßten Inhalt der Säckchen wurden natürlich auch damals schon die Milchzähne heftig angegriffen. Milchzahnkaries war daher keine Seltenheit. Wilhelm Busch warnt in seinem Gedicht „Der Schnuller“ daher wohl nicht ganz zu Unrecht vor den Gefahren dieser zuckersüßen Säckchen.

Form und Vielfalt der Sauger haben sich im Laufe der sechs Jahrzehnte immens geändert. In Sachen Literatur – sei es als medizinische Lektüre, als Kinderbuch oder als Buch mit den neuesten Entzugs-Tipps – gab es noch nie so viel Qual der Wahl wie heute.

Eines hat sich allerdings in all den Jahren der Beruhigungssauger und –säckchen überhaupt nicht geändert: Die Problematik, dem Schnuller gewöhntem Kind das Beruhigungs-Instrument ohne „bittere Tränen“ wieder zu entziehen zu können.

Locello Redaktion, Antje Allner; Foto: Fotolia

(Meldung vom 14.05.2010)

Weitere Meldungen der Zahnmedizin:
Amalgam-Sanierung – Ablauf und Kosten
Amalgamsanierung: Wann zahlt die GKV?
Gute Idee: Patientenpass für den Zahnersatz
Selbstauflösend: Titanschrauben
Gutes tun mit alten Kronen, Brücken und Prothesen
Prothesen-Haftcremes – eine Gesundheitsgefahr?
Neue Behandlungsmöglichkeit bei Parodontitis – APT
Ozon-Therapie ja – aber wofür?
Ozon-Therapie in der Zahnarztpraxis
Zahn-Zusatzversicherungen