Parodontitis und Herzinfarkt: Derselbe Gen-Defekt?

Dass dauerhafte Entzündungen des Zahn-Halteapparates (Parodontitis) sich auf den gesamten menschlichen Organismus negativ auswirken können, wissen Sie sicherlich bereits. Vor allem der Zusammenhang zwischen einer chronischen Parodontitis und vermehrt auftretenden Herzinfarkten beschäftigt seit geraumer Zeit zahlreiche Wissenschaftler. Mit frappierendem Ergebnis...

Jahrelang beobachten Experten nunmehr, dass wohl ein Zusammenhang zwischen massiven Zahnfleischentzündungen (Parodontitis) und vergleichsweise gehäuft auftretenden Herzinfarkten bestehen müsse. Genau aus diesem Grund taten sich vor geraumer Zeit renommierte Wissenschaftler der Universitäten Kiel, Dresden, Amsterdam und Bonn zusammen, um der Ursache hierfür auf den Grund zu gehen.

Mit ganz erstaunlichen Ergebnissen:

Das Team beobachtete und untersuchte 151 Patienten, die unter einer besonders schweren Variante der Parodontitis mit aggressivem Verlauf litten. Diese Form der Zahnfleischentzündung beginnt bereits in sehr jungen Jahren und führt – unbehandelt – extrem früh unweigerlich zum Zahnverlust. Nun fanden die Wissenschaftler heraus, dass eben diese Patienten genau denselben Gen-Defekt aufweisen, wie 1097 ebenfalls untersuchte und beobachtete Herzinfarkt-Patienten.

Zur Sicherung dieser ersten Erkenntnisse wurden bei weiteren 180 Zahn- und 1100 Herz-Patienten die verdächtigen Chromosomenabschnitte verglichen. Das Ergebnis war, dass Parodontitis und Herzinfarkte auf genau denselben genetischen Defekt des Chromosom 9 zurückgeführt werden können.

Die Forscher mahnten aufgrund dieser engen Verbindung beider Erkrankungen, ein besonderes Augenmerk auf die frühzeitige Diagnostik und Behandlung einer beginnenden Zahnfleischentzündung zu legen. Dies gälte vor allem für die sogenannten Risikopatienten, zu denen in erster Linie Raucher, Übergewichtige und Diabetiker (Zuckerkranke) zählen.

Übrigens: Der Herzinfarkt gilt als die weltweit häufigste Todesursache. Die Parodontitis – die Entzündung von Kieferknochen, Zahnfleisch und Zahnhals – ist die Hauptursache für den Zahnverlust bei Erwachsenen über 40 Jahre. Unter den mehr als 60-Jährigen leiden neun von zehn Patienten unter einer Parodontitis.

Also: Ein Grund mehr, für den selbstbewussten Patienten, seinen Zahnarzt bereits bei den ersten Anzeichen einer Entzündung des Zahnfleisches auf dieselbe hinzuweisen. Denn: Je früher kleine Entzündungen behandelt werden, desto seltener werden sie zu großen.

Locello Redaktion, Antje Allner; Foto: Fotolia

(Meldung vom 17.03.2010)

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