Behandlung beim Zahnarzt: Plasma-Strahl statt Bohrer?

Der Gang zur regelmäßigen Kontrolle beim Zahnarzt ist – vor allem im Hinblick auf eine eventuell vorhandene Karies - für viele Menschen quasi der Gang nach Ganossa: Ein stetes Hoffen, dass im letzten halben Jahr keine Defekte an den Zähnen entstanden sind. Dabei ist es gar nicht mal der Schmerz beim Bohren der Karies, der den meisten Menschen zu schaffen macht. Nein, es ist das Bohrgeräusch, die sterile Atmo in der Praxis, die seltsamen Gerüche etc. Nun soll mit den fürchterlichen Bohrgeräuschen aber bald Schluss sein. Das Zauberwort heißt Plasma-Strahl.

Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Oberflächenmodifizierung und der Uni-Klinik des Saarlandes in Homburg haben die neuartige Technik in Form von sogenannten Plasma-Jets getestet.

In diesen Jets wird Helium mit Mikrowellen angeregt, um einen Plasma artigen Aggregatzustand zu erreichen. Mittels einer feinen Düse kann die Zahn-Oberfläche damit in einem Arbeitsgang gründlichst und von den schädigenden Kariesbakterien desinfizierend gereinigt werden. Da durch diese Behandlung die Zahnoberfläche dennoch durchlässig wird, könnten sich nicht nur medikamentöse (zum Beispiel Fluoride), sondern auch kariöse Behandlungen anschließend wesentlich einfacher gestalten. Entsprechende Versuche an bereits extrahierten (lat. „ex“=heraus und „tractus“=gezogen) Zähnen zeigten, dass die Bakterienkonzentration nach der Plasma-Behandlung immens sinkt. Daraus schließen die findigen Wissenschaftler, dass nicht nur ein oberflächlicher Kariesbefall sondern auch tiefere Kavitäten (lat. „cavus“ = Höhle, Grube) mittels Plasma-Strahl künftig wesentlich Zahnsubstanz schonender und effektiver behandelt werden könnten.

Bisher kommen derartige Plasmastrahlen unter anderem beim Schneiden von Stahl und in anderen Medizinbereichen zum Einsatz. Da sich auch die Hitzeentwicklung beim „Schneiden“ mit 30 bis 40 Grad Celsius im körper-kompatiblen Rahmen hält, sehen die Forscher hier eine echte Variante zum herkömmlichen Bohrer.

Leider, leider wird der echte Einsatz im Patientenmund noch ein paar Jahre dauern. Bleibt uns Karies Geschädigten also momentan nur: Regelmäßiges Putzen und Pflegen unserer geliebten Zähne und die Hoffnung, dass der „Gang nach Ganossa“ dann vielleicht doch einer ohne die hässlichen Bohrgeräusche bleibt.



Locello Redaktion, Antje Allner; Foto: Fotolia

(Meldung vom 03.02.2010)

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