Kariesbehandlung ohne Bohren – geht das?

Beim Genuss von Heißem oder Kaltem bei Süßem oder Saurem meldet sich immer wieder derselbe Zahn. Zunächst ein leichtes Ziehen, dann vielleicht ein kleiner Schmerz: Nun ist es spätestens an der Zeit, schnell einen Termin beim Zahnarzt zu machen. Auch wenn die Angst vor dem hässlichen Bohrern Sie jetzt schon lähmt. Vielleicht kann Ihnen da künftig geholfen werden. Findige Wissenschaftler haben nämlich eine Kariesbehandlung ohne Bohren entwickelt. Forscher der Kieler Uniklinik und der Berliner Charité haben einen Spezial-Kunststoff entwickelt, der Karies stoppen soll. Für die derartige Behandlung wird zunächst ein ätzendes Gel auf die kariöse Stelle des Zahnes aufgebracht. Sie raut die Oberfläche auf. Nach der Trocknung wird dann der Kunststoff aufgebracht und mit blauem Licht gehärtet. Der Kunststoff schließt nun den Karies ein und versiegelt gleichzeitig den Zahn. Soweit so gut – leider hat diese tolle Neuentwicklung aber auch noch den einen oder anderen Haken: Zum einen funktioniert das Ganze nur bei kleinen Karies-Defekten. Zum anderen halten die derart versiegelten Flächen bislang noch nicht unbedingt einer starken Belastung Stand. Schade – da muss der gute alte Bohrer wohl bei größeren Kariesherden nach wie vor noch herhalten. Ein weiterer Nachteil dieser bohrerlosen Kariesbehandlung: Die Krankenkassen zahlen keinen Cent dazu. Der Patient muss also die fälligen circa 80 Euro pro Zahn in jedem Fall aus eigener Tasche bezahlen. Ein großer Vorteil hingegen ist, dass diese komplikations- und gefahrlose Behandlung des Karies auch bei Kindern eingesetzt werden kann. Hatte man als Zahnarzt einmal solch einen kleinen „Zappelphilipp“ zum Bohren im Stuhl liegen, wird man diese tolle Alternative zur Kariesbehandlung sicherlich sehr gern den Eltern anpreisen. Allerdings gilt es dann künftig, bereits kleinste Kariesdefekte aufzuspüren, damit der tolle Kunststoff auch wirklich noch zum Einsatz kommen kann. Übrigens ist es meist gar nicht die Angst vor den Schmerzen, die das Bohren für die Mehrheit der Menschen so schlimm macht. Vielmehr ist es in den meisten Fällen die Kombination aus Geräuschen, Gerüchen und dem Gefühl, hilflos ausgeliefert zu sein. Gehören Sie auch zu der Mehrheit der „Bohrer-Angst-Patienten“ fragen Sie doch bei der nächsten Routinekontrolle mal Ihren Zahnarzt nach dieser bohrerlosen Behandlungs-Alternative. Er wird Ihnen sicherlich gern mehr darüber berichten.

(Meldung vom 07.12.2009)

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