Dem Bohrer auf den Zahn gefühlt

Bestimmt gehören Sie auch zu der Mehrzahl der Bundesbürger, die schon einmal eine Zahnkaries hatten. Dies sind nämlich nahezu unglaubliche 100 Prozent. Allein beim Lesen surrt Ihnen das – in der Regel – zunächst extrem helle, später das extrem brummende - Bohrgeräusch der unterschiedlichen Bohrer im Ohr. Aber genauer betrachtet haben Sie diese eher negativ behafteten Bohrgerätschaften und den Prozess der Kariessanierung garantiert noch nie. Daher wollen wir das jetzt mal gemeinsam machen. Wurde der Zahnschmelz der Zähne erst einmal von den aggressiven Karies-Bakterien zerstört, hilft nur noch der ungeliebte Bohrer, um die kariösen Bereiche vollständig zu entfernen. Meist geht leider auch noch etwas von der gesunden Zahnsubstanz verloren, da der Zahnarzt kein Risiko eingehen möchte. Verbleiben nämlich Reste der Zahnfäule, geht ihr Zerstörungswerk auch unter der neuen Füllung ungehemmt weiter. Um an den Herd – den Ort - der Karies zu gelangen muss zunächst ein geeigneter Zugang dorthin gebohrt werden. Hierfür nutzt Ihr Behandler meist schnell rotierende, diamantbeschichtete Bohrer. Sie werden mit Wasser gekühlt, um den Zahn vor der entstehenden Bohrhitze zu schützen. Sie erinnern sich: Dies ist das extrem helle Bohrgeräusch. Die wesentlich weichere, bräunliche Karies-Masse wird anschließend meist per Diamantbohrer mit geringen Drehzahlen ohne Wasserkühlung und mit gemächlich rotierenden Bewegungen quasi aus dem Zahn heraus gegrubbelt. Zur Erinnerung: Dies ist das extrem grummelnde, brummende Bohrgeräusch. Kleinere Kavitäten (aus dem Lateinischen von cavum = Höhle) oder Karies bei kleinen Kindern werden in der Regel mit speziellen Handgeräten – die sogenannten Exavatoren – quasi per Mini-Löffelchen aus dem Zahn herausgekratzt. Zum einen schont das die gesunde Zahnsubstanz, zum anderen wäre der Einsatz der rotierenden Bohrmaschinen bei „zappelnden“ kleinen Kindern extrem gefährlich. Das kennen Sie dann wieder: Während der Behandlung wird der Zahn mit einem Wasser-Luft-Gemisch besprüht, die ausgebohrten Kariesteilchen damit weggespült und das Ganze samt überschüssigem Speichel per Absaugschlauch aus Ihrem Mund entfernt. Ist der Zahn von jeglicher kariöser Masse befreit, wird er mit einer Füllung versehen. Übrigens entstehen Schmerzen beim Bohren lediglich durch den Druck, die Hitze des Bohrers sowie durch dessen rotierende Bewegungen. Daher wird der betroffene Bereich meist auch vor der Behandlung betäubt. Teilweise werden heute auch schon die bohrerfreie Kariesentfernung per Laser oder chemischen Methoden angeboten. Allerdings stecken diese Behandlungsformen noch in den Kinderschuhen – sind also noch nicht vollkommen ausgereift. Zudem kann mit diesen Methoden auch nicht jede Form der Karies behandelt werden. Es bleibt Ihnen also eigentlich nur eine möglichst perfekte Zahnhygiene, um in naher Zukunft um die unschönen Bohrgeräusche herumzukommen.

(Meldung vom 02.12.2009)

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