Mythen und Märchen rund um die Gesundheit

Das kennen Sie bestimmt auch noch: Oma sitzt mit den Enkeln am Tisch und spricht: „Trinkt nicht so viel Kaltes vor dem Essen – das macht Läuse im Bauch“. Oder: „Lesen im Dunkeln schadet den Augen“ oder, oder, oder... Lehnen Sie sich entspannt zurück und lesen Sie, was an diesen Mythen und Märchen so dran ist. Eines ist in jedem Fall schon mal klar: Reiner Unsinn waren und sind diese alten Ratschläge nicht immer! Zum Beispiel ist es ja in der Tat so, dass wenn man nach dem Genuss frischen Obstes viel kaltes, wohl möglich noch kohlensäurehaltiges Wasser trinkt, es manchem empfindlichen Menschen echt im Bauche grummelt, was das Zeug hält. Tja – und aus diesem Grummeln machte die Oma dann die zappelnden Läuse im Bauch. Mit dem Lesen im Dunkeln verhält es sich ähnlich: Unsere Augen sind zum Gucken da und nehmen eben das auf, was die Lichtverhältnisse so zulassen. Wird die Lesezeit im Dunkeln zu lang, werden die Augen müde, fangen an zu brennen oder / und zu tränen. Das schadet den Augen aber nicht. Liegt allerdings eine entsprechende genetische Veranlagung vor, kann das zu nahe Lesen für die Guckerle schädlich sein. Hiermit kann nämlich die Entwicklung einer Kurzsichtigkeit gefördert werden. Absolut Recht hat die Oma allerdings mit den Worten „Bonbons soll man lutschen – nicht beißen“. Die menschlichen Backenzähne haben tiefe, enge Furchen – die sogenannten Fissuren. Zerbeißt man nun ein zuckerhaltiges Bonbon, werden die Zucker-Sirup-Stückchen kräftig in diese kleinen Nischen reingedrückt und verbleiben dort eine ganze Weile. Meist eben, bis der Speichel oder andere Nahrung die Zucker-Bobbel aufgelöst hat. Diese „gezuckerten“ Fissuren sind ein wahres Wonnebad für die schädlichen Karies-Bakterien, die sich in Nullkommanix dort einnisten und Dank der Enge auch prima ungestört vermehren können. Denn die Zahnbürste kann in diese zarten Spalten teilweise gar nicht vordringen. Die daraus resultierende Fissuren-Karies ist die häufigste Form der Karies bei Kindern. Daher werden die Fissuren der Kleinen ja auch bei den zweimal jährlich stattfindenden zahnärztlichen Kontrollen „versiegelt“ (mit einem speziellen Fluor-Gel abgeschlossen). Übrigens stellt die Härte der Zuckerbonbons kaum eine Gefahr dar – dafür haben wir ja unseren super harten Zahnschmelz. Einen haben wir noch für die Männer: „Rasieren fördert den Haarwuchs“. Endlich mal ein Spruch der nun aber wirklich hinten und vorne absoluter Kokolores (Unsinn, Getue) ist. Bereits 1928 wurde im „British Medical Journal“ veröffentlicht, dass Rasieren überhaupt keinen Einfluss auf die Wuchsgeschwindigkeit der Haare hat. Haare werden durchs Schneiden auch nicht dicker. Sie erscheinen nur so, da sie an der Schnittstelle dann ganz gerade sind und außerdem noch kein Sonnenlicht sie bleichen konnte. Wer mehr von diesen kurzweiligen „Halbwahrheiten“ lesen möchte, wird auf der online-Seite der „Zeit“ unter der Rubrik „Stimmt´s“ fündig.

(Meldung vom 23.11.2009)

Weitere Meldungen der Zahnmedizin:
Immer wieder ein Thema: Mundgeruch
Deutscher Zahnärztetag fordert Umsetzung der Koaltionsvereinbarungen
Doch wieder Amalgam?
Die „Dritten“ gehören nicht auf das Tablett
Wissen Sie, was ein Zahntechniker alles leisten muss?
Angst vor dem nächsten Zahnarzt-Besuch? Bachblüten können helfen
Wenn Bakterien auf Bakterien treffen
Manni Milchzahn oder Lord Karies – Zähne machen Theater
Karieskiller Mais
Rauchen: Ein Übel kommt selten allein