Karieskiller Mais

Bereits 1891 entdeckte der findige, deutsche Chemiker und Nobelpreisträger Emil Fischer den Wirkstoff Xylit. Xylit – auch Xylitol, Pentapentol oder E967 genannt – ist als Zuckeralkohol in vielen Pflanzen wie dem Mais oder auch der Rinde einiger Holzarten wie der Birke natürlich enthalten. Und das Tollste: Es wirkt vorbeugend gegen Karies. Xylit schmeckt wie Zucker, hat die Süßungskraft von Zucker und wirkt sich dennoch nicht negativ auf unseren Zahnschmelz aus. Eher das Gegenteil ist der Fall: Durch entstehende Verbindungen von Calcium- und Eiweiß-Komplexen wird die Remineralisierung des Zahnschmelzes gefördert. Somit wirkt es vorbeugend gegen Karies. Erste Studien (die sogenannten Turku-Zuckerstudien) finnischer Wissenschaftler ergaben bereits in den 70er-Jahren, dass die kariesfördernden Bakterien – allen voran der Streptococcus mutans - in unseren Mundhöhlen diesen Stoff nicht als Nahrung verarbeiten können. Fazit ist, sie verhungern regelrecht und können sich entsprechend gar nicht oder nur gering vermehren. Zudem regt Xylit die Speichelproduktion an und hemmt damit einhergehend auch noch die Plaquebildung. In deutschen Landen ist Xylit vor allem in zuckerfreien Kaugummis und Bonbons sowie in Zahnpflegeprodukten enthalten. In Finnland hingegen erhalten Schulkinder bereits seit Jahren regelmäßig ihre tägliche Dosis Xylit in Form von Gummibonbons oder Sirup. Eine entsprechende wissenschaftliche Studie konnte belegen, dass sogar die in diesem Alter gehäuft auftretende, überaus unangenehme Mittelohrentzündung 30 bis 40 Prozent weniger auftrat, erfolgten regelmäßige Xylit-Gaben. Bleibt also zu hoffen, dass auch hierzulande die Forschung in Sachen Mais gegen Karies weitergeht. Zum einen wird in Deutschland ja ausreichend von dem gelben Futterstoff angebaut. Zum anderen benötigt man für die Xylit-Gewinnung lediglich die Reste der Maiskolben und kann die Körner nach wie vor als wichtiges Nahrungsmittel nutzen. Weitere Forschung ist allerdings in jedem Fall erforderlich. Andere wissenschaftliche Studien ergaben nämlich, dass einige Tierarten wie Hunde, Rinder, Ziegen und Kaninchen bereits aufgrund einer minimalen Dosis von nur 0,1 Gramm Xylit pro Kilogramm Körpergewicht sterben können. Der Grund: Xylit bedingt bei ihnen eine extrem starke Insulin-Ausschüttung und damit eine lebensbedrohliche Unterzuckerung (Hypoglykämie). Auch Leberschädigungen und Gerinnungsstörungen bei Hunden sind bereits beobachtet worden. Um allerdings der deutschen Volkskrankheit (fast) Nummer eins – nämlich der Karies - Herr zu werden, wäre dieser natürliche Stoff bestimmt eine prima Sache. Let´s forsch!

(Meldung vom 02.11.2009)

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