Die Zunge – ein Bakterien-Pool?

Das Milieu unserer Zunge ist für Bakterien jeglicher Art eine ganz hervorragende Tummelwiese. Die tiefen Furchen bieten Speiseresten, Speichel, Schleimhautzellen und Mikroorganismen quasi die perfekte Ablagerungsmöglichkeit und den Bakterien auf diesem „Nährboden“ damit ein ebenso perfektes Vermehrungs-Klima. Sie erinnern sich vielleicht: Früher hat der Hausarzt jedem kranken Menschen als erstes einmal in den Mund und damit vor allem auf die Zunge geschaut. Sagt doch der Zungenbelag oft schon mehr als manch andere vage Aussage des Patienten zu seinen Beschwerden. Heute ist die Zunge vor allem bei Naturheilkundlern wieder in aller Munde. Aber auch Zahnärzte widmen sich vermehrt unserem roten Schmeckorgan. Bei einem gesunden Menschen sollte die Zunge „von rosiger Farbe und sauber“ sein. Denn: Ein starker Zungenbelag bedingt eine immens höhere Bakteriendichte im gesamten Mundraum. Eine Folge dieser Bakteriendichte ist ein unangenehmer Mundgeruch, der aufgrund freigesetzter Schwefelverbindungen aus den Stoffwechsel-Endprodukten der Bakterien entsteht. Viel schlimmer wiegt allerdings, dass neben der Zunge auch die Zähne, die Zahnzwischenräume und die Zahnfleischtaschen schließlich von den ungewünschten Bakterien besiedelt werden – Plaque und Biofilme können entstehen, Entzündungen oder Karies die Folge sein. Dennoch spielt eine spezielle Zungenhygiene leider nach wie vor nur eine untergeordnete Rolle in unserer Mundhygiene. An den geeigneten Reinigungsmitteln (Zungenschaber oder spezielle Zungenbürsten) liegt dies allerdings nicht. Die gibt der Markt zunehmend her. Nach Meinung des Direktors der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung in Karlsruhe – Prof. Dr. Walther - sind hier in jedem Fall die Zahnärzte gefordert. Vor allem Patienten, die mit Implantaten versorgt werden, sollte eine regelmäßige Zungenreinigung in jedem Fall nahegelegt werden. Gerade bei diesem festsitzenden Zahnersatz auf künstlichen Zahnwurzeln ist eine akribische Mundhygiene unerlässlich, will man Biofilm und/oder Plaques und damit oft einhergehende Entzündungen vermeiden. Fragen Sie Ihren Zahnarzt beim nächsten Besuch doch einmal nach entsprechenden Tipps zur Zungen-Pflege. Er wird Ihnen sicherlich entsprechende Putzhilfen demonstrieren und empfehlen können.

(Meldung vom 28.10.2009)

Weitere Meldungen der Zahnmedizin:
Kostenlos und dennoch gut: Neue Fachzeitschrift für Zähne und mehr
Weich oder hart – das ist immer wieder die Bürstenfrage
Piercing – muss das unbedingt in den Mund?
Adhaesive Zahnrestauration?
Kary(ie)s liegt in Griechenland
Monat der Mundgesundheit
Wurzelkanal-Behandlung ohne Schmerzen?
Der etwas andere Zahntag in der Schule
Behinderte benötigen Unterstützung bei der Zahnpflege
Zahnfleisch-Rückgang? Da kann Ihnen geholfen werden