Piercing – muss das unbedingt in den Mund?

Piercings werden bei jungen Menschen immer beliebter. Auch vor kleinen Schmuckstücken auf der Zunge oder an den Lippen schrecken die Teenies nicht zurück. Da stellt sich doch die Frage, wie sieht das denn mit den Nebenwirkungen aus, die Sie leider in keiner Packungsbeilage nachlesen können. Und der Apotheker ist in diesem Fall auch nicht unbedingt der richtige Ansprechpartner. Piercings sind kleine Schmuckstücke in allen möglichen Formen, die in der Regel komplett aus Metall (Gold, Platin oder Titan), manchmal auch aus Kunststoff bestehen. Sie werden durch das menschliche Gewebe gestochen – AUA! Und zwar mittlerweile längst nicht mehr nur an Bauchnabel, Augenbraue und Co. Vermehrt werden die kleinen Dinger auch im Mundraum gewünscht: Nicht nur der Zungenboden vieler junger Leute ist mittlerweile durchbohrt. Auch Lippen, Zungen- und Lippenbändchen werden gestochen und anschließend geschmückt. Für das Stechen braucht man nach derzeitiger Rechtslage keine besondere Ausbildung. Daher ist es für den potentiellen Piercing-Träger extrem wichtig, sich nach den hygienischen Umständen bei der „Durchlöcherung“ zu informieren. Denn: Eigentlich stellt ein Piercing sogar den Tatbestand einer Körperverletzung dar. Der Piercer wird sich daher in jedem Fall eine schriftliche Einverständniserklärung (bei Teens unter 18 Jahren von den Eltern!) geben lassen. Neben einem unangenehmen Gefühl sowie Problemen beim Sprechen und Essen, kann ein solcher Mundschmuck auch echte Probleme bereiten. Nicht selten treten Entzündungen auf, werden Nerven durch den Einstich ge- (dauerhafte Sensibilitätsstörungen sind dann das Resultat) oder gar Zähne mechanisch beschädigt. Im schlimmsten Fall kann es dann zu einem Zahnverlust kommen. Aber: Das sind wirklich die Ausnahmefälle. Dennoch: Zahnärzte und Kieferchirurgen sind nicht wirklich Freunde dieses Mundraum-Schmuckes. Halten sich die „Gepiercten“ allerdings an eine akribische Mund- und Zahnhygiene und haben sie auch sonst immer mal wieder den einen oder anderen Blick für ihr Zähne, kann in der Regel der schlimmste Fall umgangen werden. In jedem Fall sollte aber jeder bedenken, dass so ein Piercing-Löchlein ggf. verdammt hässlich aussehen kann, steht man einmal nicht mehr auf diese Art von Schmuck. Also immer schön überlegen, ob der Schritt zum Durchbohren tatsächlich gegangen werden sollte. Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e.V. ruft in diesem Jahr übrigens die Jugendlichen auf, sich zum Motto „Piercing im Mund – „cool“ oder „cruel“ an Wettbewerben zu beteiligen. Interesse? http://www.be-kuessed.de

(Meldung vom 21.10.2009)

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