Behinderte benötigen Unterstützung bei der Zahnpflege

"Bereits gesunden Menschen – allen voran den männlichen Exemplaren dieser Spezies (wir berichteten am 18. September) – fällt es ja schon schwer, die erforderliche Mundpflege regelmäßig, ausgiebig und mindestens zweimal täglich durchzuführen. Vom empfohlenen Zahnarztbesuch zweimal jährlich – der in der Regel durch die Partnerin organisiert wird – mal ganz zu schweigen. Wie sieht es da wohl mit der zahnärztlichen Betreuung bei den - auch in vielen anderen Bereichen des Lebens benachteiligten - behinderten Mitbürgern aus? Behinderte Menschen sind in unserer ach so offenen Gesellschaft nach wie vor längst nicht so integriert, wie es häufig zu lesen ist. Das Problem liegt ganz klar im Mangel am Umgang mit diesen etwas anderen Menschen. Denn: Wer hat in der Nachbarschaft schon einen Menschen mit Down-Syndrom (Mongölchen) oder einen Rollifahrer? Nicht nur dem Otto Normalbürger ist der Umgang mit Behinderten einfach nicht geläufig. Auch für einem Zahnarzt ist die Behandlung eines behinderten Menschen eher eine Seltenheit. Leider! Denn die zahnärztliche Versorgung Behinderter in Deutschland ist noch immer mangelhaft. Doch dies könnte sich in absehbarer Zeit ändern. Denn: Für seine wissenschaftlichen Studien rund um die zahnärztliche Versorgung behinderter Menschen wurde jetzt Professor Cichon von der Universität Witten/Herdecke mit dem Förderpreis für wissenschaftliche Leistungen der Apollonia Stiftung der Zahnärzte ausgezeichnet. Prof. Cichon belegt in seinen Studien, dass motorische und/oder geistige Defizite der Behinderten zu Ängsten vor der Behandlung, mangelnder Behandlungs-Kooperation und vor allem zu einer generell schlechten Zahn- und Mundhygiene führen. Bei den Patienten mit Morbus Down kommt zudem noch eine gestörte Immunabwehr hinzu. Die Folgen sind nicht selten Karies und vor allem manifeste Zahnfleischentzündungen (Parodontitis) mit dem daraus resultierenden frühen Verlust der Zähne. Leider ist das Thema „Umgang mit Behinderten“ auch im Zahnarzt-Studium keine Regel-Vorlesung. Eine löbliche Ausnahme bildet hier lediglich die Zahnklinik der Uni Witten/Herdecke, die bereits seit 1988 Menschen mit Behinderung eine ausgewogene und speziell auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Zahnbehandlung anbietet. Eigentlich unterscheidet sich die Behandlung der geistig behinderten Menschen generell nämlich kaum von der Behandlung „normaler“ Patienten. Allerdings sollte der Blick auf den aktuellen Gesundheitszustand, das soziale Umfeld und die Lebensgewohnheiten dieser Menschen in keinem Fall fehlen. Eigentlich schade, dass unseren angehenden Zahnärzten lediglich an einer Universität der Republik die Möglichkeit gegeben wird, sich mit den etwas anderen Patienten näher zu beschäftigen. Schön hingegen, dass Professor Cichon seine jahrelangen Erfahrungen nicht nur an der Uni Witten/Herdecke lehrt, sondern auch in Buchform („Zahnheilkunde für Behinderte“, Teil I: Klinik der Zahn-, Mund-, Kiefererkrankungen bei behinderten Patienten; ISBN: 978-3-87706-482-5; Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH) für die interessierte Fachwelt anbietet. Bleibt die Hoffnung, dass sich künftig möglichst viele Zahnärzte in spe auch diesen Bereich der Zahnmedizin einmal etwas genauer ansehen."

(Meldung vom 05.10.2009)

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